In dem Heim für minderjährige (Ex-)Prostituierte leben derzeit knapp 60
Mädchen zwischen 8 und 18 Jahren, von denen die meisten zwischen ihrem
8. und 14. Lebensjahr das erste Mal zur Prostitution gezwungen worden
sind. Irgendwann wurden sie dann bei Razzien aufgegriffen und in dieses
elende Heim an der Peripherie Bulgariens zwangseingewiesen. Zum Teil
stammen diese Kinder aus erbärmlichsten Verhältnissen, zum Teil aus sehr
guten Familien. Zum Teil wurden diese Kinder von Zuhältern auf der
Straße aufgelesen, zum Teil regelrecht gekidnappt. Alle aber wurden dann
von ihren Zuhältern "zugeritten" oder auf andere brutale Weise gefügig
gemacht und dann in Bordellen, auf dem Straßenstrich oder in Nobelhotels
eingesetzt. Die wenigsten von ihnen allerdings in Bulgarien. Denn der
Weiterverkauf an andere Zuhälter - griechische, makedonische, als
besonders brutal gefürchtete albanische, aber auch westeuropäische –
stand an der Tagesordnung. Ebenso wie der abenteuerliche illegale
Schmuggel der Kinder über die Grenzen, was oft stundenlange nächtliche
Fußmärsche oder Waten durch Grenzgewässer bedeutete.
500 Euro, das ist derzeit der gängige Preis für ein Mädchen, das seinen Besitzer wechselt. Erzählt Miglena, eine heute 15-jährige Bulgarin, die letztes Jahr von ihrem Zuhälter über Griechenland nach Makedonien verkauft wurde (und mittlerweile ein Baby als "Souvenir" mitgebracht hat). Da herrschte nämlich gerade erhöhter Bedarf an jungem Fleisch, minderjährige Prostituierte aus Rumänien, Bulgarien, Rußland und Moldavien scheinen bis heute sehr begehrt zu sein bei den Kosovo-Einsatztruppen.
Ein paar wenige dieser einstmals willfährigen, weil eingeschüchterten Kinder sitzen nun in einem elenden bulgarischen Heim – viele von ihnen haben Geschlechtskrankheiten, ja, auch Syphilis, aber es gibt keine Medikamente. Im Gegensatz zu dem bewilligten (aber nicht gezahlten) Lebensmittelbudget von 94 000 Leva ist das Medikamentenbudget 0. Wegen Eierstockentzündung gebückt durch die Gegend laufen? Da muß man durch... Abtreibung mit 14? Tja... Kind gekriegt mit 15? Ab ins Waisenheim damit und sieh zu, wie Du mit den Depressionen fertig wirst... Das sind die Lösungsmethoden, die bei der "Therapie" dieser minderjährigen Ex-Prostituierten angewandt werden: es gibt weder Enttraumatisierung noch psychologische Betreuung, weil in Bulgarien weder Konzept noch Geld vorhanden sind und weil sich das europäische Ausland nicht wirklich interessiert – außer Mahnungen seitens der EU oder Goodwill-Bekundungen seitens einiger westlicher NGOs wurde im Kampf gegen balkanischen Frauen-und Mädchenhandel noch nicht sehr viel eingesetzt.
Armselig nehmen sich die Bemühungen der Heimdirektion aus, die Mädchen mit Beschäftigung zu betäuben: vormittags ein seltsam anmutender Unterricht – manchmal sind nur 2 Mädchen in einer Klasse -, um etwas verpaßte Bildung nachzuholen. Dann Nähunterricht an Uralt-Maschinen, damit die Mädchen, wenn sie 18 werden und aus dem Heim rausdürfen, eventuell als Näherinnen gehen können. (Daß die Mädchen als Prostituierte an einem Tag mehr verdienen als eine Näherin im Monat, nämlich 180 Leva = 180 Mark, diese Zukunftsperspektive kennt man hier, ist aber hilflos). Nachmittags ein Stündchen Folkloretanzunterricht im Speisesaal: leise schlurfende Schritte, damit man die Musik aus dem halbkaputten Kassettenrekorder noch hört. Einmal in der Woche ist dann Duschen angesagt, in einem KZ-gleichen Betonkeller, in dem sich Ratten tummeln und nie genug warmes Wasser für alle da ist, was die Harmonie unter den Heimbewohnerinnen nicht gerade fördert.
Außer warten, daß man endlich 18 wird – keine nennenswerte Zukunftsperspektive. Ein paar wenige schaffen es, nachher ein normales Leben zu führen. Jenny zum Beispiel arbeitet tatsächlich als Näherin in einer großen Fabrik, mit 200 Mark im Monat verdient sie überdurchschnittlich gut (ihre kleine Schwester Maria sitzt noch in dem Heim, kommt nächstes Jahr raus, wird dann bei der Schwester leben und in derselben Firma arbeiten). Den Job hat ihr der Direktor vermittelt. Er, aber auch die meisten Lehrer und Betreuer, sind anständige Menschen, die sich einsetzen für die Kinder. Aber es fehlt ihnen an Geld für elementare Bedürfnisse, für Lebensmittel, für Projekte und natürlich auch an Erfahrung mit heilpädagogischen Ansätzen im weitesten Sinne.

500 Euro, das ist derzeit der gängige Preis für ein Mädchen, das seinen Besitzer wechselt. Erzählt Miglena, eine heute 15-jährige Bulgarin, die letztes Jahr von ihrem Zuhälter über Griechenland nach Makedonien verkauft wurde (und mittlerweile ein Baby als "Souvenir" mitgebracht hat). Da herrschte nämlich gerade erhöhter Bedarf an jungem Fleisch, minderjährige Prostituierte aus Rumänien, Bulgarien, Rußland und Moldavien scheinen bis heute sehr begehrt zu sein bei den Kosovo-Einsatztruppen.
Ein paar wenige dieser einstmals willfährigen, weil eingeschüchterten Kinder sitzen nun in einem elenden bulgarischen Heim – viele von ihnen haben Geschlechtskrankheiten, ja, auch Syphilis, aber es gibt keine Medikamente. Im Gegensatz zu dem bewilligten (aber nicht gezahlten) Lebensmittelbudget von 94 000 Leva ist das Medikamentenbudget 0. Wegen Eierstockentzündung gebückt durch die Gegend laufen? Da muß man durch... Abtreibung mit 14? Tja... Kind gekriegt mit 15? Ab ins Waisenheim damit und sieh zu, wie Du mit den Depressionen fertig wirst... Das sind die Lösungsmethoden, die bei der "Therapie" dieser minderjährigen Ex-Prostituierten angewandt werden: es gibt weder Enttraumatisierung noch psychologische Betreuung, weil in Bulgarien weder Konzept noch Geld vorhanden sind und weil sich das europäische Ausland nicht wirklich interessiert – außer Mahnungen seitens der EU oder Goodwill-Bekundungen seitens einiger westlicher NGOs wurde im Kampf gegen balkanischen Frauen-und Mädchenhandel noch nicht sehr viel eingesetzt.

Armselig nehmen sich die Bemühungen der Heimdirektion aus, die Mädchen mit Beschäftigung zu betäuben: vormittags ein seltsam anmutender Unterricht – manchmal sind nur 2 Mädchen in einer Klasse -, um etwas verpaßte Bildung nachzuholen. Dann Nähunterricht an Uralt-Maschinen, damit die Mädchen, wenn sie 18 werden und aus dem Heim rausdürfen, eventuell als Näherinnen gehen können. (Daß die Mädchen als Prostituierte an einem Tag mehr verdienen als eine Näherin im Monat, nämlich 180 Leva = 180 Mark, diese Zukunftsperspektive kennt man hier, ist aber hilflos). Nachmittags ein Stündchen Folkloretanzunterricht im Speisesaal: leise schlurfende Schritte, damit man die Musik aus dem halbkaputten Kassettenrekorder noch hört. Einmal in der Woche ist dann Duschen angesagt, in einem KZ-gleichen Betonkeller, in dem sich Ratten tummeln und nie genug warmes Wasser für alle da ist, was die Harmonie unter den Heimbewohnerinnen nicht gerade fördert.
Außer warten, daß man endlich 18 wird – keine nennenswerte Zukunftsperspektive. Ein paar wenige schaffen es, nachher ein normales Leben zu führen. Jenny zum Beispiel arbeitet tatsächlich als Näherin in einer großen Fabrik, mit 200 Mark im Monat verdient sie überdurchschnittlich gut (ihre kleine Schwester Maria sitzt noch in dem Heim, kommt nächstes Jahr raus, wird dann bei der Schwester leben und in derselben Firma arbeiten). Den Job hat ihr der Direktor vermittelt. Er, aber auch die meisten Lehrer und Betreuer, sind anständige Menschen, die sich einsetzen für die Kinder. Aber es fehlt ihnen an Geld für elementare Bedürfnisse, für Lebensmittel, für Projekte und natürlich auch an Erfahrung mit heilpädagogischen Ansätzen im weitesten Sinne.
