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Inhaltsverzeichnis
- Die Gründe
- Worum geht es bei diesem Projekt?
- Warum haben wir diese WebSite gemacht?
- Warum ist eine solche WebSite wichtig?
- Wer soll diese Seiten lesen?
- Können SOS-Anzeigen im Internet helfen?
- Wird dieses Projekt von einem Förderer getragen?
- Was denken die Macher dieses Projekts über Prostitution im Allgemeinen?
- Sind Freier auch Täter?
- Warum dieser Name?
- Die Hintergründe
- Was ist Frauenhandel?
- Was sind Frauenrechte?
- Ist das nicht nur ein thailändisches Problem?
- Die Opfer
- Wie geraten Mädchen und Frauen in Schwierigkeiten?
- Was sind die wichtigsten Opfer-Kategorien?
- Warum sind osteuropäsche Frauen und Mädchen so uninformiert?
- Wie ist der familiäre Hintergrund?
- Wie kann man jemanden zur Prostitution zwingen?
- Warum rennen sie nicht zur Polizei?
- OK, sie wurde mal dazu gezwungen, aber kann sich das geändert haben?
- Sind osteuropäische Frauen die besseren Liebhaberinnen?
- Wie kommen verschleppte Frauen frei?
- Was passiert mit Frauen, nachdem sie ihrer Misere entkommen konnten?
- Kehren im Westen aufgelese Zwangsprostituierte gerne in ihre Heimat?
- Sind sie sicher nach einer Rückkehr zum normalen Leben?
- Passieren diese Sachen nur in Westeuropa?
- Warum "löst" die Polizei nicht das Problem?
- Die Täter
- Warum kommen hier auch Gangster zu Wort?
- Die Typen mit Sonnebrillen und Tätovierungen?
- Wie kann die Mafia damit ein Vermögen machen? Woher kommt die Nachfrage?
- Was kostet ein Mädchen?
- Die Freier
- Warum wollen wir mit ihnen sprechen?
- Erkennen Kunden, wenn sie es mit einer Zwangsprostituierten zu tun haben?
- Wie verhalten sich Freier, wenn sie es erkennen?
- Wie sollten sich Freier verhalten, wenn sie es feststellen?
- Helfen viele Kunden gefangenen Mädchen?
- Leben nach der Prostitution: Beispielfall Podem
- Was ist Podem? - weggesperrt und vergessen...
- Ist Podem ein Projekt von uns?
- Die Gründe
- Worum geht es bei diesem Projekt?
- Warum haben wir diese WebSite gemacht?
- Warum ist eine solche WebSite wichtig?
- Wer soll diese Seiten lesen?
- Können SOS-Anzeigen im Internet helfen?
- Wird dieses Projekt von einem Förderer getragen?
- Was denken die Macher dieses Projekts über Prostitution im Allgemeinen?
- Sind Freier auch Täter?
- Warum dieser Name?
- Die Hintergründe
- Was ist Frauenhandel?
- Was sind Frauenrechte?
- Ist das nicht nur ein thailändisches Problem?
- Die Opfer
- Wie geraten Mädchen und Frauen in Schwierigkeiten?
- Was sind die wichtigsten Opfer-Kategorien?
- Warum sind osteuropäsche Frauen und Mädchen so uninformiert?
- Wie ist der familiäre Hintergrund?
- Wie kann man jemanden zur Prostitution zwingen?
- Warum rennen sie nicht zur Polizei?
- OK, sie wurde mal dazu gezwungen, aber kann sich das geändert haben?
- Sind osteuropäische Frauen die besseren Liebhaberinnen?
- Wie kommen verschleppte Frauen frei?
- Was passiert mit Frauen, nachdem sie ihrer Misere entkommen konnten?
- Kehren im Westen aufgelese Zwangsprostituierte gerne in ihre Heimat?
- Sind sie sicher nach einer Rückkehr zum normalen Leben?
- Passieren diese Sachen nur in Westeuropa?
- Warum "löst" die Polizei nicht das Problem?
- Die Täter
- Warum kommen hier auch Gangster zu Wort?
- Die Typen mit Sonnebrillen und Tätovierungen?
- Wie kann die Mafia damit ein Vermögen machen? Woher kommt die Nachfrage?
- Was kostet ein Mädchen?
- Die Freier
- Warum wollen wir mit ihnen sprechen?
- Erkennen Kunden, wenn sie es mit einer Zwangsprostituierten zu tun haben?
- Wie verhalten sich Freier, wenn sie es erkennen?
- Wie sollten sich Freier verhalten, wenn sie es feststellen?
- Helfen viele Kunden gefangenen Mädchen?
- Leben nach der Prostitution: Beispielfall Podem
- Was ist Podem? - weggesperrt und vergessen...
- Ist Podem ein Projekt von uns?
Die Gründe
Worum geht es bei diesem Projekt?
Um etwas, das in Deiner Nachbarschaft passiert. In diesen Tagen werden tausende junger Frauen (die meisten davon noch minderjährig) von Menschenhändlern betrogen und entführt und an andere Sklavenhändler und Zuhälter verkauft. Sie werden über Grenzen geschmuggelt, um als Prostituierte zu dienen, auf der Straße oder in Bordellen in Holland, Italien, Deutschland, Frankreich, Mazedonien, Tschechien - und überall dort, wo ihre "Besitzer" mit ihrem Fleisch Geld machen können. Dieses Projekt soll dich darüber informieren.
Warum haben wir diese Website gemacht?
Der Grund, warum wir mit dieser Website begonnen haben, lag darin, daß wir genau etwas Derartiges in den Tiefen des Internets gesucht haben: ohne Erfolg. Nachdem wir uns Dutzende Websiten von entsprechenden Menschenrechtsvereinigungen und NGOs angesehen haben, wurde schnell klar, daß Gruppen und Organisationen, die sich mit dem Thema des Frauenhandels und der Kinderprostitution befassen, keine besondere Aufmerksamkeit der Veröffentlichung von Zeugenaussagen geschenkt haben. Wir beschlossen, eine solche Website selbst zu schaffen. Somit füllt dieses Projekt eine Lücke in der Internet-Landschaft der NGOs. Während das Thema um Frauenhandel und Zwangsprostitution eine weltweit wachsende Aufmerksamkeit erfährt, bleiben die Opfer und die Personen hinter dem Problem unbekannt und stumm. Die Organisationen und Vereinigungen leisten eine großartige Arbeit, aber Du, lieber Leser, findest dich konfrontiert mit Tausenden Memorandums, Resolutionen, Whitepapers und Petitionen, falls Du vorhast, das Thema näher kennenzulernen.
Aber das "Problem" spielt sich in Deiner Nachbarschaft ab, vielleicht nur eine Tür weiter und es kann so einfach sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Also lassen wir hier diejenigen zu Wort kommen, die davon aus erster Hand erzählen können, die jene persönlichen Katastrophen erlebten, die jenseits gewöhnlicher Vorstellung sind.
Warum ist eine solche Website wichtig?
Um ein Problem das fern wirkt, etwas in die Nähe rücken. Die Arbeit der NGOs deckt vor allem zwei Bereiche ab: die unmittelbare Hilfe für die Opfer und die Einflussnahme auf die Regierungen und Entscheidungsträger aller Länder, die von der Problematik betroffen sind. Aber natürlich haben die Organisationen auch ein Interesse an der Informiertheit der breiten Bevölkerung. Deshalb organisieren viele Gruppen öffentliche Diskussionen und veranstalten Workshops in Schulen. Aber es mag nicht überraschen, daß es oft mißlingt, das "Problem" an die Vorstellung der Menschen näher zu bringen, denn die NGO-Menschen können immer nur Vermittler der Problematik bleiben. Sie vertreten feste Prinzipien und Verantwortung: Sie können und werden kaum eine minderjährige Prostituierte zu einer Podiumsdiskussion oder einem Schulworkshop mitbringen. Die meisten dieser Mädchen und Frauen sind in schlechter Verfassung und haben berechtigte Angst vor der Öffentlichkeit. Sie stehen unter Schutz oder sind oft wichtige Zeugen in Strafverfahren. Und um ehrlich zu sein - eine Menge NGOs trauen sich einfach nicht mal etwas Neues zu wagen.
Unsere Absicht ist es, den betroffenen Frauen eine Stimme zu geben. Ihre Geschichten zu sammeln, ihre eigenen Worte. Es ist der Beginn einer langen Suche. Solche Aussagen und Bekenntnisse sind rar. Du kannst Tausende von Seiten zu diesem Thema finden, aber beinahe nichts, das die eigenen Worte der Opfer reflektiert. Aber die meisten Menschen werden all diese Memorandums und Studien nicht lesen wollen. Viele denken noch in diesen Stereotypen: "irgendwie werden die das schon gewollt haben" und "man landet ja nicht ganz unschuldig in einem Bordell". Doch diese raren Bekenntnisse können helfen, aufzuzeigen, warum dies nur ein Vorurteil ist. Die Quellen können unterschiedlich sein: Archive von Journalisten, der NGOs oder Polizeiakten.
Wer soll diese Seiten lesen?
Unsere Mission ist es, durch Zeugenberichte aus erster Hand zu informieren. Wir möchten jeden informieren, insbesondere jene Menschen, die eben keine "professionellen" Menschenrechtsaktivisten sind. Wir glauben auch, daß eine intensive Sammlung von Zeugnissen eine zusätzliche Hilfe bedeuten kann für alle, die zu diesem Thema an Forschungsprojekten, Diplomarbeiten oder Dissertationen arbeiten. Auch wollen wir die Kunden von Prostituierten informieren über die gegenwärtige Situation und ihre eigenen Meinungen sammeln (natürlich unter der Rücksichtname auf ihre Anonymität). Es scheint, daß viele der Freier sich der Tatsache nicht bewußt sind, daß eine Frau, die sie für käuflichen Sex bezahlen, hierzu gezwungen sein kann.
Können SOS-Anzeigen im Internet helfen?
Uns ist vollkommen klar, daß Frauen und Mädchen, die sich in der Not befinden mit aller Wahrscheinlichkeit NICHT im Internet surfen werden. Auf der anderen Seite schadet es nicht, die entsprechenden Telefonnummern dennoch online zu stellen - z.B. für den einen oder anderen Freier, der hier helfen will. Außerdem erreicht das World Wide Web auch die Menschen in Moldavien, Ukraine oder Albanien. Lokale Internet-Cafes werden zu einem populären Treffpunkt der Jugend und viele der qualvollen Reisen mit Schleppern beginnen dort - durch das Finden einer Kontakt- oder Jobanzeige im Internet. Es wäre also falsch zu sagen, daß verschleppte Mädchen oder Frauen generell keine Ahnung vom Internet haben.
Wird dieses Projekt von einem Förderer getragen?
Nein. Dieses Projekt wird zur Zeit ausschließlich von den Autoren privat finanziert.
Was denken die Macher dieses Projekts über Prostitution im Allgemeinen?
Wir sind nicht an moralischen Urteilen interessiert und an unlängst sich häufender Tendenz, Freier als Täter zu sehen. Auf der anderen Seiten versuchen wir soziale Probleme im Bereich der Prostitution nicht zu banalisieren. Die Prostitution ist von vielen Milieu-Problemen, wie Drogensucht, gesellschaftlicher Ablehnung und Gewalt betroffen. Unsere Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit Gewaltprostitution, mit Frauenhandel, mit Entrechtung, Kidnapping und Totschlag - Wesenszüge, mit denen die herkömmliche Prostitution kaum in Verbindung gebracht werden möchte. Wir sehen also eine Notwendigkeit "Zwangsprostitution" und "Prostitution" als zwei Angelegenheiten zu unterscheiden.
Betrachten wir generell die Prostitution, so sehen wir das ewige Problem in der Existenz des "Zuhälters", der als Quelle der meisten illegalen Probleme angesehen werden kann. Wir würden also eine Prostitution begrüßen, die eine geschäftliche Interessensgemeinschaft zwischen einer Sex-Arbeiterin und einem Kunden darstellt, ohne die Einflußnahme der dritten Partei (des Zuhälters).
Sind Freier auch Täter?
Nun, z.B. in Schweden denkt man so - ähnliche Tendenzen (erwischten Freiern Strafverfahren anzuhängen) versucht man gegenwärtig in Frankreich auf politische Ebene durchzusetzen. Wir sehen Freier nicht als Täter an. Aber wir können nicht verneinen, daß im Bereich der Zwangsprostitution und des Frauenhandels die Freier mehr Schaden als Gutes anrichten. Denn sie sind hoffnungslos ignorant und machen die Trennung zwischen einer professionellen Hure und einem verschleppten Mädchen nicht. Das Image der Freier würde sich erheblich verbessern, wenn sie diese Scheuklappen ablegen würden, anstelle mit ihrem Geld die dicken Bankkonten von Mafiosis zu nähren.
Die Frage läßt sich also einfach beantworten: Wir halten Freier nicht für Täter, solange sie zu normalen Prostituierten gehen und nicht zu Frauen, die hierzu gegen ihren Willen gezwungen werden.
Warum dieser Name?
"Ex oriente lux" - aus dem Osten [kommt] das Licht - soll nicht zynisch, nicht einmal ironisch klingen. Der Name wendet sich gegen Agonie und Ignoranz. Gegen die Dämonisierung des Ostens und gegen die Resignation. Die Lebensperspektiven der meisten Frauen, die durch die Tragödie des Menschenhandels gehen mußten, sind sehr klein - aber unsere Arbeit lebt von Hoffnung. Die Hoffnung, daß einzelne Frauen oder Mädchen doch zu einem normalen Leben zurück finden können (was in der Tat manchmal passiert!). Dies ist das Licht der Hoffnung, das sie in sich tragen. Dieses Licht meinen wir.
Die Hintergründe:
Was ist Frauenhandel?
Eine wachsende Zahl an Prostituierten handelt nicht aus eigenem Willen. Sie werden dazu gezwungen von kriminellen Zuhältern, die sie wie Sklaven behandeln, sie foltern und vergewaltigen, ihnen Drogen geben und sie mit Drohungen einschüchtern. Die Frauen müssen in einen dauernden Zustand der Angst und des Horrors leben. Und sie sind sehr jung, unerfahren und sehr allein in ihrer Situation.
Was sind Frauenrechte?
Es heißt oft, daß "Frauenrechte" kein notwendiger Begriff ist, da Frauenrechte auch "Menschenrechte" sind und ein Begriff sollte genug sein, als Überbegriff für all die Leiden und Vergehen, die Menschen weltweit erfahren müssen. Das selbe könnte auch über "Kinderrechte" gesagt werden. Aber es ist auch wahr, daß es spezifische Verbrechen gibt, die überwiegend von Männern verübt und von Frauen und Kindern erlitten werden. Viele Kinder und junge Frauen erwachen in einer harten Situation zwischen Folter und Würdeverlust. Somit ist das Problem sehr geschlechtsspezifisch.
Ist das nicht nur ein thailändisches Problem?
Organisierte Kriminalität betätigt sich zunehmend auf dem Gebiet des Menschenhandels. Davon werden viele Frauen und Kinder über die Grenzen gebracht, um in Bordellen in ganz Europa zu dienen. Was vormals als ein rein "thailändisches" oder "afrikanisches" Problem angesehen wurde, erreichte durch den Fall des Eisernen Vorhangs eine neue Qualität. Die westlichen Rotlicht-Zonen werden versorgt mit Frauen aus Ländern wie Moldavien, Bulgarien, Rumänien, Albanien oder der Ukraine. Viele von ihnen werden gefangen gehalten, zum Anschaffen auf die Straße geschickt von gewaltsamen Zuhältern, heimlich angeboten in anonymen Wohnungen oder gezwungen zur Kinderpornographie. Sie sind Prostituierte gegen Ihren Willen. Und es passiert in deiner Nachbarschaft.
Europa ist außergewöhnlich wegen ihrer geopolitischen Situation. Es ist ganz schön teuer und aufwendig, eine Frau aus Thailand nach Europa zu verschleppen (obwohl das noch immer oft genug passiert). Der Menschenhandel aus dem Balkan ist hierbei im Vergleich ein Kinderspiel. Keine Flugzeuge werden benötigt, keine falschen Eheschließungen.
Die Opfer
Wie geraten Mädchen und Frauen in Schwierigkeiten?
Es ist die alte klassische Geschichte vom besseren Leben. All diese Mädchen kommen aus Ländern, die mit harten ökonomischen Problemen zu kämpfen haben. Und osteuropäische Zeitung sind voller Anzeigen, die "tolle Jobs in Deutschland" anbieten, als Kellnerin, Model oder Aushilfe zu was auch immer. Es ist nicht falsch zu sagen, daß an dieser Stelle viele der Mädchen Naivität an den Tag legen und daß die Regierungen der jeweiligen Länder hier mehr erzieherische Arbeit leisten sollten, um ihre Kinder vor dieser Gefahr zu warnen. Denn sie folgen dem Traum vom Goldenen Westen, der in diesen Ländern während des 20. Jahrhunderts emsig aufgebaut wurde.
Es gibt natürlich viel mehr Szenarios. Viele Mädchen werden schlichtweg gekidnappt, in Autos hineingezerrt. Ein anderer Trick ist die berühmte "Mail-Order-Heirat". Aber es kann noch perfider kommen: Manchmal sind die eigenen Gefährten die Teufel. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen die eigenen Verwandten für die Tragödie verantwortlich waren. Onkel oder Freunde der der Familie, die die Mädchen in eine moderne Sklaverei verkaufen.
Was sind die wichtigsten Opfer-Kategorien?
Etwas vereinfachend, läßt sich sagen, daß es drei Szenarien gibt:
Die zweite Kategorie scheint die häufigste zu sein. Kategorie 1 und 2, die möglicherweise vielleicht 80% aller verschleppten Frauen ausmacht, hätte sich niemals einverstanden erklärt, einen Sex-Job auszuüben, hätte man sie danach gefragt.
Warum sind Frauen und Mädchen so uninformiert und tappen immer wieder in diese Falle?
In der Tat gehört dazu eine gewisse Portion Naivität und sogar Dummheit. Aber sie sind jung und haben Träume junger Menschen. Betrachtet man den Trick mit Job-Anzeige, so muß man natürlich sehen, daß viele Mädchen auch tatsächlich zurückkehren von ihren Au-Pairs, ihren Jobs als Kellnerin oder Tellerwäscherin in einem Restaurant in Italien oder Deutschland. Nicht jede Anzeige ist ein Betrug. Viele kommen zurück. nachdem sie etwas Geld gemacht haben und beeindrucken jene, die daheim blieben. Darum ist es für die lokalen Regierungen auch schwer, hier zu handeln, denn von diesen Anzeigen gibt es sehr viele, aber nur ein geringer Teil davon ist ein Trick.
Wie ist der familiäre Hintergrund?
Natürlich kommen fast alle Opfer aus wirtschaftlich schlecht bestellten Familien - so ist es auch nicht überraschend, daß viele von ihnen bereits auf eine gewaltsame Kindheit zurückblicken (aggressiver Vater, etc.). Eines der klassischen Szenarios ist: nach Gewalt in der Familie läuft das Mädchen weg, lebt paar Tage auf der Stra&czlig;e und wird von Sklavenhändlern aufgelesen.
Aber die Sklavenhändler "fischen" nicht nur auf der Straße. Sie hängen auch in den balkanischen Clubs und Discos, wo ein Mädchen sich erst mal ihren Aufenthalt von irgendeinem Taschengeld leisten kann. Falls der Fall mit Entführung beginnt, kann es schon mal passieren, daß auch ein Mädchen aus "gutem Hause" verschleppt wird.
Wie kann man jemanden zur Prostitution zwingen?
Viele Kenner der Lage halten das für eine dumme Frage, aber für viele normale Menschen, die mit dem Thema nicht vertraut sind, erscheint es tatsächlich verwunderlich, daß jemand eine solche Situation ertragen kann, ohne davonzulaufen. Es ist verständlich, daß sie nicht begreifen können, wie das jemand Monate, manchmal sogar Jahre ertragen kann.
Nun zuerst: Manche laufen weg. Darum sind all die NGOs hier, um ihnen zu helfen. In unserer Link-Sektion können Sie zahlreiche Links zu Organisationen finden, die Frauen in Schwierigkeiten beistehen. Aber wegzulaufen kann manchmal sehr schwierig sein, da die Frauen oft unter strenger Bewachung stehen. Eine lange, gewaltsame Prozedur der "Gehirnwäsche" folgt, oft kombiniert mit starken Drogen. Vergiß nicht, daß ein großer Teil dieser Frauen minderjährig ist, mehr Kinder als Frauen - im Alter von 14 oder 15. Sie haben nicht die erwachsene Psyche einer 30jährigen Frau. Bald akzeptieren diese Mädchen, daß es nur diese eine Form der Realität gibt und sie beginnen sich damit zu befassen, wie man das Beste aus der eigenen Situation machen kann. Die Idee der "Flucht" kann da sehr in die Ferne geraten. So trägt in den meisten Fällen ein Polizeieinsatz dazu bei, daß sie aus dem Haus rauskommen.
Warum rennen solche, die im sicheren "Westen" festgehalten werden, nicht zur Polizei und sagen aus?
- Weil sie weggesperrt sind und unter strenger Beobachtung stehen.
- Weil sie Angst haben, daß die Zuhälter eine tödliche Rache nehmen.
- Weil sie Angst vor Polizei haben, denn alle sind korrupt und arbeitet zusammen.
- Weil sie Angst haben, daß es die Zuhälter bekannt machen und die Eltern es erfahren.
- Weil sie Angst haben, weil die Zuhälter drohen, dann etwas der Familie daheim anzutun.
- Weil sie sich schämen, über ihre Erfahrungen mit Fremden zu sprechen.
- Weil sie apathisch sind und eine "Gehirnwäsche" hinter sich haben.
- Weil sie die meiste Zeit unter Drogen stehen.
- Weil sie von ihren Rechten keine Ahnung haben und nicht wissen, daß es sowas gibt.
- Weil sie fatalistisch sind: "So ist das Leben. Es wird sich nie ändern."
Mehr Gründe nötig?
OK, sie wurde mal dazu gezwungen, aber kann sich das geändert haben?
NGO-Leute hassen diese Frage, denn sie mußten sie zu oft beantworten. Einige können es gar nicht fassen, daß jemand das ernsthaft fragen kann. Es ist dieses ewige 'irgendwie machen die's auch gerne, sonst wären sie weggelaufen'. Also greifen wir diese Fragen noch einmal auf und versuchen zu beschreiben, was wir davon halten.
Es ist eher eine Frage danach, was Realität ist. Es geht um Selbstschutz durch eine verzerrte Wahrnehmung... Das Problem, warum so viele westliche "Kunden" Schwierigkeiten haben, zu erkennen, daß eine Prostituierte, die sie bezahlen, dazu gezwungen sein sollte, liegt darin, da&sczlig; all diese Mädchen mit ihrer Situation umgehen müssen. Ein verschlepptes Mädchen benimmt sich nach Monaten in der Prostitution nicht wie eine zu Tode erschrockene Unschuld vom Lande. Es flüstert dem Freier nicht "hilf mir, hilf mir..." ins Ohr. Theoretisch könnte das passieren. Aber es ist höchst ungewöhnlich. Und warum sollte dir das Mädchen vertrauen? Ein "Freier" kann immer ein guter Kumpel des Zuhälters sein. Und die Strafe für solche Aktionen kann brutal sein.
So entwickeln die jungen Frauen einen sehr starken Instinkt zum Überleben. Aber der Preis dafür ist hoch! Es geht um Anpassung, um Unterwerfung. Viele von ihnen kennen den Unterschied zwischen gezwungener und ungezwungener Prostitution nicht und im Grunde verlieren sie systematisch eine Vorstellung davon, daß es da eine andere Welt gibt, als diejenige in der sie gerade stecken. Daß es da ein anderes Leben gegeben haben könnte, als Angestellte in einem Büro, oder ein Leben als Schneiderin oder Lehrerin... Einen Ehemann und Kinder zu haben... das alles wird ganz fern, während die Welt der Zuhälter, Gangster, notgeiler Soldaten und des Alkohols ein sehr vertrauter Maßstab aller Dinge wird. Ein seltsames Phänomen, das wir in Podem (das staatliche und desolate Heim für minderjährige Ex-Prostituierte in Bulgarien, siehe auch unten) beobachten konnten, war daß viele dieser jungen Mädchen - obwohl sie schon eine Weile aus der Prostitution raus waren - schäbige Poster von nackten großbusigen PinUp-Girls und PlayMates an die Wände ihrer kleinen Zimmer klebten - was höchst bizarr ist. Du wirst kaum eine 16jährige finden, die solche Poster neben die üblichen naiven Boy-Groups über ihr Kinderzimmerbett hängt. Es sei denn, sie machte diese dunklen und tragischen Erfahrungen. Aber das ist nur eines von vielen Symptomen für die systematische Verzerrung der Realität und Deformation der Psyche - bewirkt durch die Zuhälter und Schlepper.
Deshalb ist es nach einer Weile sehr einfach über einzelne Fälle zu sagen, daß dieses und jenes Mädchen nicht den Eindruck macht, zu irgendwas gezwungen zu werden. Sie schreien nicht um Hilfe, reden nicht mit der Polizei und (was für ihre Glaubwürdigkeit am schädlichsten ist) sie kehren oft freiwillig in die Prostitution zurück. Es ist die einzige Welt, die sie kennen, in der sie sich orientieren können, der Preis, den sie zahlten, daß sie überleben dürften. Unglücklicherweise haben jene, die sie befreien (fast immer die Polizei) keine Antworten oder Perspektiven für sie. Nicht selten werden sie, nach dem ihre Unschuld als erwiesen gilt, zurück auf die Straße geworfen. In westlichen Ländern erfolgt meistens eine schnelle Abschiebung in die Herkunftsländer, was oft die Rückkehr in den Teufelskreis bedeutet. Nur die NGOs versuchen hier zu helfen, aber ihre Mittel sind natürlich begrenzt durch Geld und Gesetz (und es gibt auch NGOs, die soviel Bürokratie generieren, das nicht mehr viel Raum übrig ist für die Rettung von Zwangsprostituierten).
Sind osteuropäische Frauen die besseren Liebhaberinnen?
Das ist vermutlich das am weitesten verbreitete Klischee hier im Westen. Wir können immer noch Geschichten in irgendwelchen Internet-Foren lesen, mit Sätzen wie "eine ukrainische Nutte hatte einen Orgasmus mit mir" - wenigstens einige der Kerle haben noch so viel Realitätssinn, um die leise Frage dranzuhängen "kann das eigentlich sein?" Wäre es nicht so tragisch, es wäre einen Brüller wert. Aber die Meinung der Freier kommt nicht von ungefähr.
Zuerst sollte man den einen Punkt ganz klar stellen: Prostituierte erleben keine "großartigen Augenblicke" mit ihren Kunden. Niemals? Natürlich könnte das möglich sein, so wie bemannte Raumfahrt möglich ist. Aber das heißt noch lange nicht, daß DU zu den Sternen fliegst. Es geht doch eigentlich um den gravierenden Unterschied zwischen einer professionellen Sex-Arbeiterin und einem verschleppten Mädchen. Sieht man sich berühmte Meilen wie den Kiez in Hamburg an, kann man dort eine Menge abgebrühter Frauen treffen, die wissen, wie man eine Situation unter Kontrolle behält. Denn die Spielregel lautet "so viel Geld wie möglich einnehmen, für so wenig Leistung wie möglich". nun falls du nicht ein "harter" Kerl bist, der schon bei Dutzenden von Huren war, hast du psychologisch keine Chance, Kontrolle über die Situation zu bewahren. Aber sie tut es. Hinterher magst du vielleicht das Gefühl haben, daß das nicht genau das war, was du wolltest. Nun ungeachtet der Tatsache, ob professionelle Sex-Arbeiterinnen weniger unterkühlt und mehr empathisch sein sollten (an sich eine uralte Diskussion), wirst du diese Überlegenheit kaum bei Zwangsprostituierten finden. Mädchen, die noch paar Monate zuvor auf irgendeinem Schulhof gespielt haben und die nun die Schule der Zuhälter absolviert haben, wissen rein gar nichts von dieser alten Spielregel des Rotlicht-Milieus. Frauen die vollständig gebrochen und wie es im Zuhälter-Slang heißt "zugeritten" wurden (meist von den Besitzern selbst). Also, falls du eine vollkommen gebrochene und mental zerstörte Frau als eine Art "osteuropäische Nymphomanin" interpretierst, ist das dein Problem. Aber um zu zeigen, wie perfide die Situation ist: Auf die selbe Art, auf die du den Fehler machst, sie im falschen Licht zu sehen - tut sie es bei dir genau so. Denn sie denkt vielleicht du meinst es gut mit ihr, du willst ihr helfen, du magst sie. Warum sollte sie so naiv sein? Weil du sie nicht verprügelt hast, nicht in ihren Bauch getreten hast und sie nicht vergewaltigt hast. Es geht hier darum, die Perspektive zurechtzurücken. Nach all der Gehirnwäsche und Folter durch albanische, serbische oder tschechische Zuhälter, könnte es fast Glück sein, wenn man plötzlich nur "auf dem Strich zu gehen braucht und es ohne Kondome mit verhältnismäßig dezenten Deutschen treiben muss". Aber glaubst du wirklich, du bist der grosse Checker auf den sie ihr Leben lang gewartet hat?
Wir haben ja schon all den Mist vor 15 Jahren aus Thailand gehört. "Ja, sie sind Prostituierte, aber es ist aufregend, wie leidenschaftlich und ehrlich sie ihren Job machen". "So viel Liebe für so wenig Geld!" Das einzige Echte an diesem Spiel ist: Würde man einem Freier, der durch all die Torturen gegangen wäre, wie Tausende von diesen Mädchen es tun mußten, sagen, er solle jedesmal, wenn er den Mond sieht, bellen - er würde es tun. Das steht fest. Hier geht es um Macht und Kontrolle - nicht um Sexualität.
Wie kommen verschleppte Frauen frei?
Entweder laufen sie davon, oder sie werden von der Polizei aufgelesen (entweder direkt von der Straße oder bei einer Bordell-Razzia). Die ideale Variante ist, daß die Frau einen Kontakt zu einer Hilfsorganisation kennt und dorthin direkt flüchtet. Aber das passiert höchst selten. Die meisten Frauen haben den Erstkontakt mit der Polizei und dann - wenn sie Glück haben - werden sie in die Betreuung einer NGO geschickt. Aber es sind auch mehr als genug Fälle bekannt, bei denen die Frau einfach als "illegaler Einwanderer" verhaftet oder direkt ins Herkunftsland deportiert wird. Das kann einen sehr tragischen Effekt haben: Die Frauen sind in einer miserablen seelischen Verfassung, Prostitution ist die einzige Sache, die sie kennen und sogar dann, wenn sie sich davon fernhalten will - die kriminellen Strukturen werden nicht umsonst "organisiert" genannt. Viele der Mädchen und Frauen werden einfach in ihren Heimatstädten von Zuhältern wieder aufgelesen. Für diese ist sie ja ein wertvolles "Investment", denn sie ist bereits "abgerichtet".
Was passiert mit Frauen, nachdem sie ihrer Misere entkommen konnten?
Wie oben beschrieben, können sie sehr leicht wieder in Schwierigkeiten kommen, wenn sich eine NGO nicht dazwischen schaltet. Aber wenn die Frauen die Hilfe einer NGO in Anspruch nehmen können, werden sie mit Medikamenten versorgt, mit Anonymität (viele NGOs operieren mit geheimen Schutzwohnungen) und psychologischer Unterstützung. Das kann Wochen und Monate in Anspruch nehmen. Die NGO kann sich natürlich nicht über das Gesetz ihrer Regierung hinwegsetzen. Wenn es also keine Aufenthaltsgenehmigung (oder Duldung) für die Frau gibt, muß die Prozedur der Rückkehr in die Heimat vorbereitet werden. Das Ziel ist, eine Rückkehr in die Prostitution zu vermeiden. Viele der Frauen haben auch das Problem, daß sie aus Kleinstädten kommen, wo nicht einmal die eigenen Eltern die Wahrheit akzeptieren könnten, ohne ihre Tochter zu verstoßen.
Kehren im Westen aufgelesene Zwangsprostituierte gerne in ihre Heimat zurück?
Wir haben darüber mit aktiven Vertreterinnen von NGOs gesprochen und sie erzählten uns, daß ein deutlicher Teil der Frauen lieber zurück in die Heimat möchte. Denn viele von ihnen haben dort ein Kind, das sie seit Monaten nicht gesehen haben. Ohnehin verbinden sie nun mit Ländern wie Deutschland, Belgien oder Holland nur ganz schreckliche Dinge. Sie haben ja wenig davon gesehen: eine verrauchte Bar, ein dreckiges Zimmer und die wechselnden Gesichter von hunderten in fremder Sprache redenden Freiern. Dieser Eindruck scheint also wesentlich stärker zu sein, als die traditionellen Träume vom reichen Westen, mit denen alles begonnen hat.
Sind sie sicher nach einer Rückkehr zum normalen Leben?
Das sind sie nicht. Es gibt zwei große Gründe dafür: a) die organisierte Kriminalität und b) ihre eigene verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung.
a) Für die Schlepper und Zuhälter sind diese Mädchen wertvoll. Sie sind eine "Investition", denn sie wurde bereits "zugeritten", sie müssen die Lektionen vom Anfang an lernen. So sind sie als Ex-Prostituierte ein noch beliebteres Opfer für Zuhälter. Ein typischer Zuhälter von Zwangsprostituierten kennt ja den Begriff "Ex"-Prostituierte nicht. Für ihn ist sie erst dann "Ex", wenn sie unbrauchbar geworden ist, zu krank, zu verbraucht oder tot. In unserem Online-Archiv befinden sich zahlreiche Verweise auf die harte obszöne Schufterei, die das für die Frauen bedeutet: sieben Tage die Woche, keine Auszeit, manchmal mehr als 20 Männer am Tag, keine gesundheitliche Versorgung, oft ohne Kondome. Vergiß an dieser Stelle Irma LaDouce... Und natürlich tut - wie man es sich vorstellen kann - die Regierung und Polizei der betroffenen Landes nichts mit dieser katastrophalen Situation.
b) Zum Thema "normales" Leben: So weit das dann überhaupt noch möglich ist, ist es für die Mädchen und Frauen stets ein harter Kampf, zur Normalität zurückzukehren. Das Problem liegt z.B. in ihrer verzerrten Sicht der Dinge. Wenn sie nun mit 18 Jahren die Möglichkeit bekommen, als Näherin zu arbeiten oder in einem Supermarkt an der Kasse zu sitzen, ist es für sie schwer zu verstehen, daß man für etwas den ganzen Monat arbeiten muß, daß man in einem KFOR-Bordell an einem Abend verdienen konnte. Erinnern wir uns, daß viele am Anfang ihrer Odyssee minderjährige Kinder waren und sie haben von "normalem" Leben wenig Ahnung. Daß all das Hurengeld immer nur an ihnen vorbei wanderte, in die Tasche des Zuhälters, ist ihnen zwar bewuß, doch sie wissen noch gut, wie hoch die Summen (aus ihrer Sicht) waren, verglichen mit dem normalen Gehalt in Bulgarien und Rumänien. Die Versuchung des Geldes ist also da. Obwohl sie oft eine höllische Angst vor dem düsteren Leben im Rotlicht-Milieu haben, sind sie sehr beeinflußt von der demagogischen Denkweise ihrer früheren Zuhälter - die schlichtwegs sehr materiell ist. In diesem Dilemma sind die jungen Frauen sehr allein gelassen und es ist sehr schwer für sie, den richtigen Weg zu finden. Sie können darüber kaum mit ihren Eltern sprechen - die meisten Eltern aus diesen Ländern könnten die Wahrheit darüber ertragen, was ihrer Tochter in Holland, Deutschland oder Griechenland "wirklich passiert ist".
Natürlich wäre es falsch zu sagen, daß alle Ex-Prostituierten stets eine Tendenz haben, in die Prostitution zurückzukehren. Das ist überhaupt nicht so. Vielen sitzt die Angst noch jahrelang so tief in den Knochen, daß sie alles meiden, was nur annähernd nach Nachtleben aussieht. Aber ein gewisser Teil der sehr jungen Mädchen ist da tatsächlich gefährdet.
Wir haben oben das Risiko erwähnt, von der lokalen "Mafia" daheim erneut aufgegriffen zu werden. In osteuropäischen Ländern landen minderjährige Prostituierte manchmal in Waisenhäusern wie Podem. Hier werden sie vor unmittelbaren Gefahren weggesperrt, aber das Leben dort bietet gar keinen Ansatz, um ein "normaler" Erwachsener mit gesundem Sinn für Realität werden.
Passieren diese Sachen nur in Westeuropa?
Absolut nicht. Eine Frau, die z.B. in Moldavien gekidnappt wird, kann durch unzählige Hurenhäuser in viele Ländern kommen. Wie das Zeugenarchiv zeigt, wechseln einige Frauen sehr oft den Besitzer. Viele werden nach Mazedonien gebracht, um dort Sklavendienste zu machen in Bordellen, die seit dem Kosovo-Konflikt für die KFOR-Soldaten zahlreich entstanden sind. Andere landen auf der unrühmlich "berühmten" E55 in Nordtschechien, wo sie am Straßenrand stehen müssen. Der Rest kann in Deutschland, Frankreich, Holland, Großbritannien oder sogar in Israel (in der Zwangsprostitutions-Szene groß im Kommen). Aber wie die Zeugenaussagen belegen, ist die Situation einer Frau, die in Osteuropa gefangen ist, viel härter. Hier ist das Problem zugleich oft ein Problem der Kindersklaverei bzw. Kinderprostitution. Wie man in unserem Podem-Aufsatz lesen kann, geht inzwischen das Alter nicht selten bis auf 12 oder 13 Jahre herunter!
Warum "löst" die Polizei nicht das Problem?
Schwer zu beantworten. In osteuropäischen Ländern ist das meistens ein Problem der kriminellen Quantität, verbunden mit strukturellen Mängeln innerhalb der Polizeiorgane. In westlichen Ländern ist es meistens ein Mangel an einfacheren Gesetzen und die mangelnde Eigeninitiative der Beamten. Alles geht genau nach Vorschriften, auch wenn's dann wenig dem Mädchen hilft. Inzwischen haben alle europäischen Länder Dezernate, die sich nur damit befassen. Aber wahr ist, daß viele der Officers nicht sehr bewandert sind im Umgang mit diesen jungen Frauen. Strenge Einhaltung des Gesetzes kann da schon mal mehr schaden als helfen. Denn zuerst sind diese Frauen für die Polizei meistens "illegale Einwanderer". Sie haben keinen Paß, sprechen kaum die Sprache des Landes und haben nicht die geringste Ahnung von ihren Rechten. In vielen Fällen haben sie eine panische Angst, denn die Zuhälter hatten ihnen erzählt, daß sie sie töten werden, wenn sie mit der Polizei sprechen. Zum Glück haben einige Polizeistellen inzwischen einen guten Draht zu den NGOs. Einige Stellen rufen also gleich die Organisation an, wenn sie illegale Prostituierte in Untersuchungshaft haben.
Die Täter
Warum kommen hier auch Gangster zu Wort?
Viele mögen einwenden, daß es geschmacklos sei, hier auch den Gangstern eine Stimme zu geben. Aber wir halten das für ein schwaches Argument. Prostitution ist heute ein Dreiecksprozeß zwischen Zuhältern, Prostituierten und Kunden. Zum Verständnis des Problems ist die Rolle der der Schlepper und Zuhälter dominierend. In diesen Tagen werden viele Konzepte diskutiert, wie man die Prostitution "reformieren" könnte, durch die Abschaffung des &Zuhälters" und der Entstehung einer rein dualen Interessensgemeinschaft zwischen Hure und Kunde. Aber zu dieser (etwas romantische) Idee der Dekriminalisierung von Prostitution scheint es noch ein langer Weg zu sein - obwohl es dazu in Ländern wie Deutschland deutliche Ansätze gibt.
Wieso geben Schlepper und Zuhälter Interviews?
Es ist an den Kriminologen und erfahrenen Polizisten rund um die Welt über die Morphologie der organisierten Kriminalität und ihrer Teilnahme an der Prostitution. Für viele sind die Schlepper und Zuhälter jene Kerle, die im Dunkeln bleiben. Bis sie die Polizei schnappt. Sie sind gefährlich, nie allein, aggressiv, bewaffnet, überdurchschnittlich ignorant und viel zu egozentrisch. All diese Klischeés zeichnen das typische stereotype Bild eines Mafiagangsters - aber viele diese Eigenschaften sind tatsächlich nützlich, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein. Was sind als falsch erweist, ist die Annahme, daß wenn Du nicht Polizei bist, Du niemals mit ihnen ins Gespräch kommst. Die Journalistin Inge Bell interviewte einige dieser bösen Jungs, sogar mit einer Kamera und fragte sie alles, was sie wollte. Vielleicht mag es unvergleichlich schwieriger sein, mit balkanischen Zuhältern, Schleppern und Mafiosis in westlichen Ländern ins Gespräch zu kommen (denn hier müssen sie viel vorsichtiger sein), in Osteuropa ist es aber unter gewissen Umständen durchaus möglich. Das mag wohl mit dem hegemonialen Selbstbewußtsein der Schlepper und Zuhälter zusammenhängen. Sie kontrollieren perfekt ihre Umgebung. Sie sind manchmal ziemlich "Macho" und wollen gerne einer Journalistin zeigen, daß sie nichts zu befürchten haben und sich nicht zu verstecken brauchen.
Aber dank dieser Tatsache haben wir nun diese einmaligen Aussagen dieser Leute, verantwortlich für die kriminelle Organisation von Verschleppung und Versklavung von Kindern und Frauen.
Wie können Menschenhändler damit ein Vermögen machen? Woher kommt die Nachfrage nach ausländischen Prostituierten?
Darauf gibt es viele Antworten. Es geht um Kontrolle. Die Zuhälter brauchen eine 100%ige Kontrolle über die Mädchen und das ist viel einfacher in einem fremden Land zu machen, wo die Frau unsicher ist und die Situation nicht richtig abschätzen kann. Dann hat es was mit Polizei zu tun und der Art, wie sie mit ausländischen Frauen umgehen. Man stelle sich nur vor, jemand würde Tausende minderjährige deutsche Mädchen in deutschen Städten zur Prostitution zwingen. Das ganze Land würde Amok laufen. Aber weil es Mädchen sind aus Albanien, Moldavien oder Rumänien, gibt es nur die übliche Kritik der Menschenrechtsorganisationen. Falls Du jemals ein Beispiel für die doppelte Moral der Europäischen Union gesucht hast, ist es dieses hier. Und das läuft genauso in Osteuropa. Natürlich gibt es genug bulgarische Prostituierte in Bulgarien und makedonische in Makedonien - aber die drastische Daumenregel (für Polizei und Mafia) ist, die ausländischen kann man mieser behandeln. Und zuletzt der am meisten bekannte Grund: mit Prostituierten aus dem Ausland kann man stets die lokale Preissituation zerstören - was auch geschieht.
Was kostet ein Mädchen?
Der Preis hängt von verschiedenen Dingen ab. Eines davon ist die Gegend, wo der Handel stattfindet. Ein Erstverkauf in Moldavien bringt weniger ein, als ein Endkundenverkauf irgendwo im Westen. Ein anderer Parameter ist das Alter des Mädchens. Jüngere bringen mehr ein. Der dritte und vielleicht wichtigste Aspekt ist die Schönheit. Wie einige unsere Archivberichte zeigen, gibt es hierzu richtige Auktionen und Fleischbeschauungen. Zeugenberichte haben uns gezeigt, daß der Preis auf dem Balkan zwischen 500 und 2000 Euro liegen kann, gemessen an den oben beschriebenen Faktoren.
Die Freier
Warum wollen wir mit ihnen sprechen?
Die Diskussion um das Thema der Zwangsprostitution (und der Prostitution im Allgemeinen) passiert weitgehend ohne der Teilnahme derer die der eigentliche "Motor" der Prostitutionsidee: die Kunden, die zu Huren gehen. Das mag damit zusammenhängen, daß diese Männer selten darauf "stolz" sind und kaum den Schritt ins öffentliche Licht suchen. Viele von ihnen sind verheiratet oder haben einen "anständigen", bürgerlichen Hintergrund.
Es ist nicht das Ziel dieser WebSite, die polarisierenden Kampagnen gegen die Freier oder die Prostitution im Allgemeinen zu unterstützen. Diese Projekt konzentriert sich auf Zeugenaussagen. So neutral, wie nur möglich, lassen wir diese Bekenntnisse für sich sprechen.
Die "Freier" spielen eine wichtige Rolle innerhalb der Problematik um Zwangsprostitution und aus diesem Grund möchten wir ebenfalls ihre Aussagen aufnehmen. Uns interessiert ihre Identität und ihr wahrer Name nicht - nur das, was sie zu sagen haben und auf welche Erfahrungen sie zurückblicken. Wir möchten herausfinden, ob sich "Kunden" manchmal dessen bewußt sind, daß sie in Berührung kamen miteiner sklaven-artigen Prostituierten und welche Rolle es für sie spielte. Oder ob sie sich weigern würden, mit einer Prostituierten zu gehen, wenn sie wüßten, daß sie in dieser Art von Schwierigkeiten steckt. Über diese graue Zone zwischen Ignoranz und Informationsmangel ist wenig bekannt. Darum wendet sich der Abschnitt die Freier an Männer mit Erfahrungen mit Prostitution und soll ihnen die Möglichkeit geben, anonym ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen.
Erkennen Kunden, wenn sie es mit einer Zwangsprostituierten zu tun haben?
Gemessen an den wenigen Aussagen, die wir hierzu haben, scheinen viele Freier sehr selbstbewußt über diese Frage zu denken und meinen sicher zu sein, daß sie erkennen würden, daß etwas "faul" ist. Aber es hat sich gezeigt, daß in den meisten Fällen - wenn es zur Realität kommt - sie rein gar nichts erkennen. Es ist schwer zu sagen, wann jemand die Symptome nicht "sehen kann" oder nicht "sehen will". Einige können tatsächlich Anzeichen der Schwierigkeiten in denen das Mädchen steckt erkennen, aber sie ignorieren es oft. Über diese Dinge ist nicht viel bekannt und eines unserer Ziele ist es, über Freier und ihre Haltung zur Zwangsprostitution mehr in Erfahrung zu bringen.
Wie verhalten sich Freier, wenn sie erkennen, daß eine Prostituierte gezwungen wird, verschleppt wurde oder minderjährig ist?
Darüber ist nicht so viel bekannt, aber grundlegend gibt es drei Gruppen:
Die Größenverhältnisse zwischen diesen drei Gruppen sind vollkommen unbekannt. Auf das Risiko hin, als naiv bezeichnet zu werden, hoffen wir mit diesem Projekt wenigstens einen kleinen Einfluß zu nehmen auf die Proportionen dieser drei Gruppen - und helfen jenen Sex-Work-Kunden, die Sex mit Minderjährigen, Gewalt und Verschleppung ablehnen, besser informiert zu sein und mit der Situation bewußter umzugehen. Wir glauben nicht, da&czlig; wir Einfluß nehmen können auf Vertreter der ersten Kategorie. Aber wir hoffen, daß wir Menschen aus der zweiten Gruppe in die dritte begleiten können. Wir wollen einfach, daß Männer wie Männer handeln. Wir verurteilen den Weg zur Prostituierten nicht - wir sprechen davon, was es heißt, als Freier von der Mafia instrumentalisiert zu sein, in einem dreckigen Spiel der Geldgier. Natürlich können unsere Bemühungen in dieser Richtung enttäuschend sein - aber es ist ein alternativer Weg, der versucht werden muß. Wir wollen Kunden in die Diskussion und Handlung einbeziehen.
Wie sollten sich Freier verhalten, wenn sie feststellen, daß ein Mädchen zur Prostitution gezwungen wird?
Die erste Regel ist: nachdenken! Oder es wenigstens versuchen. Du mußt nicht ein Held sein - nur versuche dir so viele Details wie möglich zu merken und spreche mit einer NGO. Die reden oft mit Kunden und sind daran gewöhnt - das ist für die keine große Sache. Sag ihnen, was du weißt und gesehen hast oder besuche sie in ihrem Büro. Verschwiegenheit ist ihr Geschäft. Überlaß den Fall ihnen. Wenn dir an der Sache was liegt, dann frage bald nach, was da inzwischen passiert ist. Jeder Tag zählt. Falls du mit den Ergebnissen nicht zufrieden bist, konsultiere eine andere NGO oder schreib uns eine eMail. Es mag dir zuerst nicht bewußt sein, aber du hältst mit großer Wahrscheinlichkeit ein Leben in Deinen Händen. Zwangsprostituierte haben eine unangenehm niedrige Lebenserwartung. Denk darüber nach.
Helfen viele Kunden gefangenen Mädchen?
Leider nicht. Und das ist schade. Denn sie sind die Kunden. Für die Zuhälter sind sie Tabu - denn sie sind das "Geld" - der Grund warum das alles passiert. Sie können somit in Bordelle ein und aus marschieren - was NGO-Leute selten tun. Also könnten Kunden/Freier eine große Hilfe sein bei der Bestrebung, Sex-Work ein wenig mehr in die Mitte zu bewegen, weg von jenen verachtenden Perversionen die sich dort nun ereignen. Aber das kommt durchaus vor. Denn manchmal verliebt sich ein Kunde in das Mädchen. Er war zuerst so blind für all die Zeichen - denn er wollte sie nicht sehen. Und dann plötzlich, emotional fixiert, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Nun versteht er die blauen Flecken, das seltsame Benehmen - und dann ist sie plötzlich weg. Natürlich. Zuhälter verkaufen ihre Mädchen gerne rum. Dann wird der verliebte Kunde plötzlich panisch - dann rennt er zur Polizei, ruft NGOs an und will alles in der Welt bewegen, um sie zu finden, sie zurückzubekommen. Meistens vergeblich. Wir kennen tatsächlich Fälle aus dem tschechischen Grenzgebiet oder aus Bulgarien, wo der verzweifelte Freier nur noch vom Tod des Mädchens erfahren hat. Auf der Flucht getötet? Wer weiß?
Ein Leben nach der Prostitution: Beispielfall Podem
Was ist Podem? - weggesperrt und vergessen...
Podem ein Waisenheim für minderjährige Ex-Prostituierte in Bulgarien. Die Mädchen sind in einem Alter von 8 bis 18 Jahren. Sie wurden von der Polizei auf der Straße oder bei Razzias aufgelesen. Sie haben oft viele Bordelle rund um ganz Europa gesehen. Viele von ihnen sind ernsthaft krank oder brauchen psychologische Betreuung. Während das Management des Heimes das Beste aus dem Wenig zu machen, sind für die bulgarische Regierung diese Mädchen einfach weggesperrt und vergessen. Es mag nicht überraschen, daß einige weglaufen, denn das Leben in Podem bietet ihnen keine Perspektiven.
Durch unseren Einblick in die schlechten Bedingungen in Podem, versuchen wir Lösungen und Strategien zu finden, um diesen Mädchen wenigstens ein wenig zum normalen Leben zu verhelfen - soweit das überhaupt denkbar ist. Unglücklicherweise spielt das Problem der minderjährigen Zwangsprostitution für die Regierung des EU-Beitrittskandidaten Bulgarien keine sehr ernste Rolle.
In dem Podem-Abschnitt auf unserer Website kannst du mehr Informationen finden über dieses Heim, das ein klares Beispiel fü die unzähligen Probleme eines "Lebens nach der Prostitution" darstellt.
Wenn du Ideen und Anregungen hast: schreibe uns. Wir brauchen immer Hilfe bei diesem Kampf gegen die Windmühlen.
Ist Podem ein Projekt von uns?
Nein. Podem ist eine bulgarische staatliche "Institution". Wir haben mit der Verwaltung nichts zu tun. Aber wir möchten hier helfen, denn wir erachten die Gegenwart der Mädchen in diesem Heim nicht als eine brauchbare oder entgültige Lösung des Problems. Sie können auch die WebSite der Gesellschaft Sandra hilft Kindern besuchen, die hier ebenfalls zu helfen versucht.
Worum geht es bei diesem Projekt?
Um etwas, das in Deiner Nachbarschaft passiert. In diesen Tagen werden tausende junger Frauen (die meisten davon noch minderjährig) von Menschenhändlern betrogen und entführt und an andere Sklavenhändler und Zuhälter verkauft. Sie werden über Grenzen geschmuggelt, um als Prostituierte zu dienen, auf der Straße oder in Bordellen in Holland, Italien, Deutschland, Frankreich, Mazedonien, Tschechien - und überall dort, wo ihre "Besitzer" mit ihrem Fleisch Geld machen können. Dieses Projekt soll dich darüber informieren.
Warum haben wir diese Website gemacht?
Der Grund, warum wir mit dieser Website begonnen haben, lag darin, daß wir genau etwas Derartiges in den Tiefen des Internets gesucht haben: ohne Erfolg. Nachdem wir uns Dutzende Websiten von entsprechenden Menschenrechtsvereinigungen und NGOs angesehen haben, wurde schnell klar, daß Gruppen und Organisationen, die sich mit dem Thema des Frauenhandels und der Kinderprostitution befassen, keine besondere Aufmerksamkeit der Veröffentlichung von Zeugenaussagen geschenkt haben. Wir beschlossen, eine solche Website selbst zu schaffen. Somit füllt dieses Projekt eine Lücke in der Internet-Landschaft der NGOs. Während das Thema um Frauenhandel und Zwangsprostitution eine weltweit wachsende Aufmerksamkeit erfährt, bleiben die Opfer und die Personen hinter dem Problem unbekannt und stumm. Die Organisationen und Vereinigungen leisten eine großartige Arbeit, aber Du, lieber Leser, findest dich konfrontiert mit Tausenden Memorandums, Resolutionen, Whitepapers und Petitionen, falls Du vorhast, das Thema näher kennenzulernen.
Aber das "Problem" spielt sich in Deiner Nachbarschaft ab, vielleicht nur eine Tür weiter und es kann so einfach sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Also lassen wir hier diejenigen zu Wort kommen, die davon aus erster Hand erzählen können, die jene persönlichen Katastrophen erlebten, die jenseits gewöhnlicher Vorstellung sind.
Warum ist eine solche Website wichtig?
Um ein Problem das fern wirkt, etwas in die Nähe rücken. Die Arbeit der NGOs deckt vor allem zwei Bereiche ab: die unmittelbare Hilfe für die Opfer und die Einflussnahme auf die Regierungen und Entscheidungsträger aller Länder, die von der Problematik betroffen sind. Aber natürlich haben die Organisationen auch ein Interesse an der Informiertheit der breiten Bevölkerung. Deshalb organisieren viele Gruppen öffentliche Diskussionen und veranstalten Workshops in Schulen. Aber es mag nicht überraschen, daß es oft mißlingt, das "Problem" an die Vorstellung der Menschen näher zu bringen, denn die NGO-Menschen können immer nur Vermittler der Problematik bleiben. Sie vertreten feste Prinzipien und Verantwortung: Sie können und werden kaum eine minderjährige Prostituierte zu einer Podiumsdiskussion oder einem Schulworkshop mitbringen. Die meisten dieser Mädchen und Frauen sind in schlechter Verfassung und haben berechtigte Angst vor der Öffentlichkeit. Sie stehen unter Schutz oder sind oft wichtige Zeugen in Strafverfahren. Und um ehrlich zu sein - eine Menge NGOs trauen sich einfach nicht mal etwas Neues zu wagen.
Unsere Absicht ist es, den betroffenen Frauen eine Stimme zu geben. Ihre Geschichten zu sammeln, ihre eigenen Worte. Es ist der Beginn einer langen Suche. Solche Aussagen und Bekenntnisse sind rar. Du kannst Tausende von Seiten zu diesem Thema finden, aber beinahe nichts, das die eigenen Worte der Opfer reflektiert. Aber die meisten Menschen werden all diese Memorandums und Studien nicht lesen wollen. Viele denken noch in diesen Stereotypen: "irgendwie werden die das schon gewollt haben" und "man landet ja nicht ganz unschuldig in einem Bordell". Doch diese raren Bekenntnisse können helfen, aufzuzeigen, warum dies nur ein Vorurteil ist. Die Quellen können unterschiedlich sein: Archive von Journalisten, der NGOs oder Polizeiakten.
Wer soll diese Seiten lesen?
Unsere Mission ist es, durch Zeugenberichte aus erster Hand zu informieren. Wir möchten jeden informieren, insbesondere jene Menschen, die eben keine "professionellen" Menschenrechtsaktivisten sind. Wir glauben auch, daß eine intensive Sammlung von Zeugnissen eine zusätzliche Hilfe bedeuten kann für alle, die zu diesem Thema an Forschungsprojekten, Diplomarbeiten oder Dissertationen arbeiten. Auch wollen wir die Kunden von Prostituierten informieren über die gegenwärtige Situation und ihre eigenen Meinungen sammeln (natürlich unter der Rücksichtname auf ihre Anonymität). Es scheint, daß viele der Freier sich der Tatsache nicht bewußt sind, daß eine Frau, die sie für käuflichen Sex bezahlen, hierzu gezwungen sein kann.
Können SOS-Anzeigen im Internet helfen?
Uns ist vollkommen klar, daß Frauen und Mädchen, die sich in der Not befinden mit aller Wahrscheinlichkeit NICHT im Internet surfen werden. Auf der anderen Seite schadet es nicht, die entsprechenden Telefonnummern dennoch online zu stellen - z.B. für den einen oder anderen Freier, der hier helfen will. Außerdem erreicht das World Wide Web auch die Menschen in Moldavien, Ukraine oder Albanien. Lokale Internet-Cafes werden zu einem populären Treffpunkt der Jugend und viele der qualvollen Reisen mit Schleppern beginnen dort - durch das Finden einer Kontakt- oder Jobanzeige im Internet. Es wäre also falsch zu sagen, daß verschleppte Mädchen oder Frauen generell keine Ahnung vom Internet haben.
Wird dieses Projekt von einem Förderer getragen?
Nein. Dieses Projekt wird zur Zeit ausschließlich von den Autoren privat finanziert.
Was denken die Macher dieses Projekts über Prostitution im Allgemeinen?
Wir sind nicht an moralischen Urteilen interessiert und an unlängst sich häufender Tendenz, Freier als Täter zu sehen. Auf der anderen Seiten versuchen wir soziale Probleme im Bereich der Prostitution nicht zu banalisieren. Die Prostitution ist von vielen Milieu-Problemen, wie Drogensucht, gesellschaftlicher Ablehnung und Gewalt betroffen. Unsere Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit Gewaltprostitution, mit Frauenhandel, mit Entrechtung, Kidnapping und Totschlag - Wesenszüge, mit denen die herkömmliche Prostitution kaum in Verbindung gebracht werden möchte. Wir sehen also eine Notwendigkeit "Zwangsprostitution" und "Prostitution" als zwei Angelegenheiten zu unterscheiden.
Betrachten wir generell die Prostitution, so sehen wir das ewige Problem in der Existenz des "Zuhälters", der als Quelle der meisten illegalen Probleme angesehen werden kann. Wir würden also eine Prostitution begrüßen, die eine geschäftliche Interessensgemeinschaft zwischen einer Sex-Arbeiterin und einem Kunden darstellt, ohne die Einflußnahme der dritten Partei (des Zuhälters).
Sind Freier auch Täter?
Nun, z.B. in Schweden denkt man so - ähnliche Tendenzen (erwischten Freiern Strafverfahren anzuhängen) versucht man gegenwärtig in Frankreich auf politische Ebene durchzusetzen. Wir sehen Freier nicht als Täter an. Aber wir können nicht verneinen, daß im Bereich der Zwangsprostitution und des Frauenhandels die Freier mehr Schaden als Gutes anrichten. Denn sie sind hoffnungslos ignorant und machen die Trennung zwischen einer professionellen Hure und einem verschleppten Mädchen nicht. Das Image der Freier würde sich erheblich verbessern, wenn sie diese Scheuklappen ablegen würden, anstelle mit ihrem Geld die dicken Bankkonten von Mafiosis zu nähren.
Die Frage läßt sich also einfach beantworten: Wir halten Freier nicht für Täter, solange sie zu normalen Prostituierten gehen und nicht zu Frauen, die hierzu gegen ihren Willen gezwungen werden.
Warum dieser Name?
"Ex oriente lux" - aus dem Osten [kommt] das Licht - soll nicht zynisch, nicht einmal ironisch klingen. Der Name wendet sich gegen Agonie und Ignoranz. Gegen die Dämonisierung des Ostens und gegen die Resignation. Die Lebensperspektiven der meisten Frauen, die durch die Tragödie des Menschenhandels gehen mußten, sind sehr klein - aber unsere Arbeit lebt von Hoffnung. Die Hoffnung, daß einzelne Frauen oder Mädchen doch zu einem normalen Leben zurück finden können (was in der Tat manchmal passiert!). Dies ist das Licht der Hoffnung, das sie in sich tragen. Dieses Licht meinen wir.

Die Hintergründe:
Was ist Frauenhandel?
Eine wachsende Zahl an Prostituierten handelt nicht aus eigenem Willen. Sie werden dazu gezwungen von kriminellen Zuhältern, die sie wie Sklaven behandeln, sie foltern und vergewaltigen, ihnen Drogen geben und sie mit Drohungen einschüchtern. Die Frauen müssen in einen dauernden Zustand der Angst und des Horrors leben. Und sie sind sehr jung, unerfahren und sehr allein in ihrer Situation.
Was sind Frauenrechte?
Es heißt oft, daß "Frauenrechte" kein notwendiger Begriff ist, da Frauenrechte auch "Menschenrechte" sind und ein Begriff sollte genug sein, als Überbegriff für all die Leiden und Vergehen, die Menschen weltweit erfahren müssen. Das selbe könnte auch über "Kinderrechte" gesagt werden. Aber es ist auch wahr, daß es spezifische Verbrechen gibt, die überwiegend von Männern verübt und von Frauen und Kindern erlitten werden. Viele Kinder und junge Frauen erwachen in einer harten Situation zwischen Folter und Würdeverlust. Somit ist das Problem sehr geschlechtsspezifisch.
Ist das nicht nur ein thailändisches Problem?
Organisierte Kriminalität betätigt sich zunehmend auf dem Gebiet des Menschenhandels. Davon werden viele Frauen und Kinder über die Grenzen gebracht, um in Bordellen in ganz Europa zu dienen. Was vormals als ein rein "thailändisches" oder "afrikanisches" Problem angesehen wurde, erreichte durch den Fall des Eisernen Vorhangs eine neue Qualität. Die westlichen Rotlicht-Zonen werden versorgt mit Frauen aus Ländern wie Moldavien, Bulgarien, Rumänien, Albanien oder der Ukraine. Viele von ihnen werden gefangen gehalten, zum Anschaffen auf die Straße geschickt von gewaltsamen Zuhältern, heimlich angeboten in anonymen Wohnungen oder gezwungen zur Kinderpornographie. Sie sind Prostituierte gegen Ihren Willen. Und es passiert in deiner Nachbarschaft.
Europa ist außergewöhnlich wegen ihrer geopolitischen Situation. Es ist ganz schön teuer und aufwendig, eine Frau aus Thailand nach Europa zu verschleppen (obwohl das noch immer oft genug passiert). Der Menschenhandel aus dem Balkan ist hierbei im Vergleich ein Kinderspiel. Keine Flugzeuge werden benötigt, keine falschen Eheschließungen.

Die Opfer
Wie geraten Mädchen und Frauen in Schwierigkeiten?
Es ist die alte klassische Geschichte vom besseren Leben. All diese Mädchen kommen aus Ländern, die mit harten ökonomischen Problemen zu kämpfen haben. Und osteuropäische Zeitung sind voller Anzeigen, die "tolle Jobs in Deutschland" anbieten, als Kellnerin, Model oder Aushilfe zu was auch immer. Es ist nicht falsch zu sagen, daß an dieser Stelle viele der Mädchen Naivität an den Tag legen und daß die Regierungen der jeweiligen Länder hier mehr erzieherische Arbeit leisten sollten, um ihre Kinder vor dieser Gefahr zu warnen. Denn sie folgen dem Traum vom Goldenen Westen, der in diesen Ländern während des 20. Jahrhunderts emsig aufgebaut wurde.
Es gibt natürlich viel mehr Szenarios. Viele Mädchen werden schlichtweg gekidnappt, in Autos hineingezerrt. Ein anderer Trick ist die berühmte "Mail-Order-Heirat". Aber es kann noch perfider kommen: Manchmal sind die eigenen Gefährten die Teufel. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen die eigenen Verwandten für die Tragödie verantwortlich waren. Onkel oder Freunde der der Familie, die die Mädchen in eine moderne Sklaverei verkaufen.
Was sind die wichtigsten Opfer-Kategorien?
Etwas vereinfachend, läßt sich sagen, daß es drei Szenarien gibt:
- - 1. Die Frau wird schlichtwegs gekidnappt/verkauft
- - 2. Die Frau folgt Schleppern im Glauben an einen Job im Ausland
- - 3. Die Frau beabsichtigte in der Prostitution zu arbeiten, aber sie wußte nicht, daß das mit Vergewaltigung, Schlägen, Folter und Sklaverei zu tun haben wird.
- - 2. Die Frau folgt Schleppern im Glauben an einen Job im Ausland
- - 3. Die Frau beabsichtigte in der Prostitution zu arbeiten, aber sie wußte nicht, daß das mit Vergewaltigung, Schlägen, Folter und Sklaverei zu tun haben wird.
Die zweite Kategorie scheint die häufigste zu sein. Kategorie 1 und 2, die möglicherweise vielleicht 80% aller verschleppten Frauen ausmacht, hätte sich niemals einverstanden erklärt, einen Sex-Job auszuüben, hätte man sie danach gefragt.
Warum sind Frauen und Mädchen so uninformiert und tappen immer wieder in diese Falle?
In der Tat gehört dazu eine gewisse Portion Naivität und sogar Dummheit. Aber sie sind jung und haben Träume junger Menschen. Betrachtet man den Trick mit Job-Anzeige, so muß man natürlich sehen, daß viele Mädchen auch tatsächlich zurückkehren von ihren Au-Pairs, ihren Jobs als Kellnerin oder Tellerwäscherin in einem Restaurant in Italien oder Deutschland. Nicht jede Anzeige ist ein Betrug. Viele kommen zurück. nachdem sie etwas Geld gemacht haben und beeindrucken jene, die daheim blieben. Darum ist es für die lokalen Regierungen auch schwer, hier zu handeln, denn von diesen Anzeigen gibt es sehr viele, aber nur ein geringer Teil davon ist ein Trick.
Wie ist der familiäre Hintergrund?
Natürlich kommen fast alle Opfer aus wirtschaftlich schlecht bestellten Familien - so ist es auch nicht überraschend, daß viele von ihnen bereits auf eine gewaltsame Kindheit zurückblicken (aggressiver Vater, etc.). Eines der klassischen Szenarios ist: nach Gewalt in der Familie läuft das Mädchen weg, lebt paar Tage auf der Stra&czlig;e und wird von Sklavenhändlern aufgelesen.
Aber die Sklavenhändler "fischen" nicht nur auf der Straße. Sie hängen auch in den balkanischen Clubs und Discos, wo ein Mädchen sich erst mal ihren Aufenthalt von irgendeinem Taschengeld leisten kann. Falls der Fall mit Entführung beginnt, kann es schon mal passieren, daß auch ein Mädchen aus "gutem Hause" verschleppt wird.
Wie kann man jemanden zur Prostitution zwingen?
Viele Kenner der Lage halten das für eine dumme Frage, aber für viele normale Menschen, die mit dem Thema nicht vertraut sind, erscheint es tatsächlich verwunderlich, daß jemand eine solche Situation ertragen kann, ohne davonzulaufen. Es ist verständlich, daß sie nicht begreifen können, wie das jemand Monate, manchmal sogar Jahre ertragen kann.
Nun zuerst: Manche laufen weg. Darum sind all die NGOs hier, um ihnen zu helfen. In unserer Link-Sektion können Sie zahlreiche Links zu Organisationen finden, die Frauen in Schwierigkeiten beistehen. Aber wegzulaufen kann manchmal sehr schwierig sein, da die Frauen oft unter strenger Bewachung stehen. Eine lange, gewaltsame Prozedur der "Gehirnwäsche" folgt, oft kombiniert mit starken Drogen. Vergiß nicht, daß ein großer Teil dieser Frauen minderjährig ist, mehr Kinder als Frauen - im Alter von 14 oder 15. Sie haben nicht die erwachsene Psyche einer 30jährigen Frau. Bald akzeptieren diese Mädchen, daß es nur diese eine Form der Realität gibt und sie beginnen sich damit zu befassen, wie man das Beste aus der eigenen Situation machen kann. Die Idee der "Flucht" kann da sehr in die Ferne geraten. So trägt in den meisten Fällen ein Polizeieinsatz dazu bei, daß sie aus dem Haus rauskommen.
Warum rennen solche, die im sicheren "Westen" festgehalten werden, nicht zur Polizei und sagen aus?
- Weil sie weggesperrt sind und unter strenger Beobachtung stehen.
- Weil sie Angst haben, daß die Zuhälter eine tödliche Rache nehmen.
- Weil sie Angst vor Polizei haben, denn alle sind korrupt und arbeitet zusammen.
- Weil sie Angst haben, daß es die Zuhälter bekannt machen und die Eltern es erfahren.
- Weil sie Angst haben, weil die Zuhälter drohen, dann etwas der Familie daheim anzutun.
- Weil sie sich schämen, über ihre Erfahrungen mit Fremden zu sprechen.
- Weil sie apathisch sind und eine "Gehirnwäsche" hinter sich haben.
- Weil sie die meiste Zeit unter Drogen stehen.
- Weil sie von ihren Rechten keine Ahnung haben und nicht wissen, daß es sowas gibt.
- Weil sie fatalistisch sind: "So ist das Leben. Es wird sich nie ändern."
Mehr Gründe nötig?
OK, sie wurde mal dazu gezwungen, aber kann sich das geändert haben?
NGO-Leute hassen diese Frage, denn sie mußten sie zu oft beantworten. Einige können es gar nicht fassen, daß jemand das ernsthaft fragen kann. Es ist dieses ewige 'irgendwie machen die's auch gerne, sonst wären sie weggelaufen'. Also greifen wir diese Fragen noch einmal auf und versuchen zu beschreiben, was wir davon halten.
Es ist eher eine Frage danach, was Realität ist. Es geht um Selbstschutz durch eine verzerrte Wahrnehmung... Das Problem, warum so viele westliche "Kunden" Schwierigkeiten haben, zu erkennen, daß eine Prostituierte, die sie bezahlen, dazu gezwungen sein sollte, liegt darin, da&sczlig; all diese Mädchen mit ihrer Situation umgehen müssen. Ein verschlepptes Mädchen benimmt sich nach Monaten in der Prostitution nicht wie eine zu Tode erschrockene Unschuld vom Lande. Es flüstert dem Freier nicht "hilf mir, hilf mir..." ins Ohr. Theoretisch könnte das passieren. Aber es ist höchst ungewöhnlich. Und warum sollte dir das Mädchen vertrauen? Ein "Freier" kann immer ein guter Kumpel des Zuhälters sein. Und die Strafe für solche Aktionen kann brutal sein.
So entwickeln die jungen Frauen einen sehr starken Instinkt zum Überleben. Aber der Preis dafür ist hoch! Es geht um Anpassung, um Unterwerfung. Viele von ihnen kennen den Unterschied zwischen gezwungener und ungezwungener Prostitution nicht und im Grunde verlieren sie systematisch eine Vorstellung davon, daß es da eine andere Welt gibt, als diejenige in der sie gerade stecken. Daß es da ein anderes Leben gegeben haben könnte, als Angestellte in einem Büro, oder ein Leben als Schneiderin oder Lehrerin... Einen Ehemann und Kinder zu haben... das alles wird ganz fern, während die Welt der Zuhälter, Gangster, notgeiler Soldaten und des Alkohols ein sehr vertrauter Maßstab aller Dinge wird. Ein seltsames Phänomen, das wir in Podem (das staatliche und desolate Heim für minderjährige Ex-Prostituierte in Bulgarien, siehe auch unten) beobachten konnten, war daß viele dieser jungen Mädchen - obwohl sie schon eine Weile aus der Prostitution raus waren - schäbige Poster von nackten großbusigen PinUp-Girls und PlayMates an die Wände ihrer kleinen Zimmer klebten - was höchst bizarr ist. Du wirst kaum eine 16jährige finden, die solche Poster neben die üblichen naiven Boy-Groups über ihr Kinderzimmerbett hängt. Es sei denn, sie machte diese dunklen und tragischen Erfahrungen. Aber das ist nur eines von vielen Symptomen für die systematische Verzerrung der Realität und Deformation der Psyche - bewirkt durch die Zuhälter und Schlepper.
Deshalb ist es nach einer Weile sehr einfach über einzelne Fälle zu sagen, daß dieses und jenes Mädchen nicht den Eindruck macht, zu irgendwas gezwungen zu werden. Sie schreien nicht um Hilfe, reden nicht mit der Polizei und (was für ihre Glaubwürdigkeit am schädlichsten ist) sie kehren oft freiwillig in die Prostitution zurück. Es ist die einzige Welt, die sie kennen, in der sie sich orientieren können, der Preis, den sie zahlten, daß sie überleben dürften. Unglücklicherweise haben jene, die sie befreien (fast immer die Polizei) keine Antworten oder Perspektiven für sie. Nicht selten werden sie, nach dem ihre Unschuld als erwiesen gilt, zurück auf die Straße geworfen. In westlichen Ländern erfolgt meistens eine schnelle Abschiebung in die Herkunftsländer, was oft die Rückkehr in den Teufelskreis bedeutet. Nur die NGOs versuchen hier zu helfen, aber ihre Mittel sind natürlich begrenzt durch Geld und Gesetz (und es gibt auch NGOs, die soviel Bürokratie generieren, das nicht mehr viel Raum übrig ist für die Rettung von Zwangsprostituierten).
Sind osteuropäische Frauen die besseren Liebhaberinnen?
Das ist vermutlich das am weitesten verbreitete Klischee hier im Westen. Wir können immer noch Geschichten in irgendwelchen Internet-Foren lesen, mit Sätzen wie "eine ukrainische Nutte hatte einen Orgasmus mit mir" - wenigstens einige der Kerle haben noch so viel Realitätssinn, um die leise Frage dranzuhängen "kann das eigentlich sein?" Wäre es nicht so tragisch, es wäre einen Brüller wert. Aber die Meinung der Freier kommt nicht von ungefähr.
Zuerst sollte man den einen Punkt ganz klar stellen: Prostituierte erleben keine "großartigen Augenblicke" mit ihren Kunden. Niemals? Natürlich könnte das möglich sein, so wie bemannte Raumfahrt möglich ist. Aber das heißt noch lange nicht, daß DU zu den Sternen fliegst. Es geht doch eigentlich um den gravierenden Unterschied zwischen einer professionellen Sex-Arbeiterin und einem verschleppten Mädchen. Sieht man sich berühmte Meilen wie den Kiez in Hamburg an, kann man dort eine Menge abgebrühter Frauen treffen, die wissen, wie man eine Situation unter Kontrolle behält. Denn die Spielregel lautet "so viel Geld wie möglich einnehmen, für so wenig Leistung wie möglich". nun falls du nicht ein "harter" Kerl bist, der schon bei Dutzenden von Huren war, hast du psychologisch keine Chance, Kontrolle über die Situation zu bewahren. Aber sie tut es. Hinterher magst du vielleicht das Gefühl haben, daß das nicht genau das war, was du wolltest. Nun ungeachtet der Tatsache, ob professionelle Sex-Arbeiterinnen weniger unterkühlt und mehr empathisch sein sollten (an sich eine uralte Diskussion), wirst du diese Überlegenheit kaum bei Zwangsprostituierten finden. Mädchen, die noch paar Monate zuvor auf irgendeinem Schulhof gespielt haben und die nun die Schule der Zuhälter absolviert haben, wissen rein gar nichts von dieser alten Spielregel des Rotlicht-Milieus. Frauen die vollständig gebrochen und wie es im Zuhälter-Slang heißt "zugeritten" wurden (meist von den Besitzern selbst). Also, falls du eine vollkommen gebrochene und mental zerstörte Frau als eine Art "osteuropäische Nymphomanin" interpretierst, ist das dein Problem. Aber um zu zeigen, wie perfide die Situation ist: Auf die selbe Art, auf die du den Fehler machst, sie im falschen Licht zu sehen - tut sie es bei dir genau so. Denn sie denkt vielleicht du meinst es gut mit ihr, du willst ihr helfen, du magst sie. Warum sollte sie so naiv sein? Weil du sie nicht verprügelt hast, nicht in ihren Bauch getreten hast und sie nicht vergewaltigt hast. Es geht hier darum, die Perspektive zurechtzurücken. Nach all der Gehirnwäsche und Folter durch albanische, serbische oder tschechische Zuhälter, könnte es fast Glück sein, wenn man plötzlich nur "auf dem Strich zu gehen braucht und es ohne Kondome mit verhältnismäßig dezenten Deutschen treiben muss". Aber glaubst du wirklich, du bist der grosse Checker auf den sie ihr Leben lang gewartet hat?
Wir haben ja schon all den Mist vor 15 Jahren aus Thailand gehört. "Ja, sie sind Prostituierte, aber es ist aufregend, wie leidenschaftlich und ehrlich sie ihren Job machen". "So viel Liebe für so wenig Geld!" Das einzige Echte an diesem Spiel ist: Würde man einem Freier, der durch all die Torturen gegangen wäre, wie Tausende von diesen Mädchen es tun mußten, sagen, er solle jedesmal, wenn er den Mond sieht, bellen - er würde es tun. Das steht fest. Hier geht es um Macht und Kontrolle - nicht um Sexualität.
Wie kommen verschleppte Frauen frei?
Entweder laufen sie davon, oder sie werden von der Polizei aufgelesen (entweder direkt von der Straße oder bei einer Bordell-Razzia). Die ideale Variante ist, daß die Frau einen Kontakt zu einer Hilfsorganisation kennt und dorthin direkt flüchtet. Aber das passiert höchst selten. Die meisten Frauen haben den Erstkontakt mit der Polizei und dann - wenn sie Glück haben - werden sie in die Betreuung einer NGO geschickt. Aber es sind auch mehr als genug Fälle bekannt, bei denen die Frau einfach als "illegaler Einwanderer" verhaftet oder direkt ins Herkunftsland deportiert wird. Das kann einen sehr tragischen Effekt haben: Die Frauen sind in einer miserablen seelischen Verfassung, Prostitution ist die einzige Sache, die sie kennen und sogar dann, wenn sie sich davon fernhalten will - die kriminellen Strukturen werden nicht umsonst "organisiert" genannt. Viele der Mädchen und Frauen werden einfach in ihren Heimatstädten von Zuhältern wieder aufgelesen. Für diese ist sie ja ein wertvolles "Investment", denn sie ist bereits "abgerichtet".
Was passiert mit Frauen, nachdem sie ihrer Misere entkommen konnten?
Wie oben beschrieben, können sie sehr leicht wieder in Schwierigkeiten kommen, wenn sich eine NGO nicht dazwischen schaltet. Aber wenn die Frauen die Hilfe einer NGO in Anspruch nehmen können, werden sie mit Medikamenten versorgt, mit Anonymität (viele NGOs operieren mit geheimen Schutzwohnungen) und psychologischer Unterstützung. Das kann Wochen und Monate in Anspruch nehmen. Die NGO kann sich natürlich nicht über das Gesetz ihrer Regierung hinwegsetzen. Wenn es also keine Aufenthaltsgenehmigung (oder Duldung) für die Frau gibt, muß die Prozedur der Rückkehr in die Heimat vorbereitet werden. Das Ziel ist, eine Rückkehr in die Prostitution zu vermeiden. Viele der Frauen haben auch das Problem, daß sie aus Kleinstädten kommen, wo nicht einmal die eigenen Eltern die Wahrheit akzeptieren könnten, ohne ihre Tochter zu verstoßen.
Kehren im Westen aufgelesene Zwangsprostituierte gerne in ihre Heimat zurück?
Wir haben darüber mit aktiven Vertreterinnen von NGOs gesprochen und sie erzählten uns, daß ein deutlicher Teil der Frauen lieber zurück in die Heimat möchte. Denn viele von ihnen haben dort ein Kind, das sie seit Monaten nicht gesehen haben. Ohnehin verbinden sie nun mit Ländern wie Deutschland, Belgien oder Holland nur ganz schreckliche Dinge. Sie haben ja wenig davon gesehen: eine verrauchte Bar, ein dreckiges Zimmer und die wechselnden Gesichter von hunderten in fremder Sprache redenden Freiern. Dieser Eindruck scheint also wesentlich stärker zu sein, als die traditionellen Träume vom reichen Westen, mit denen alles begonnen hat.
Sind sie sicher nach einer Rückkehr zum normalen Leben?
Das sind sie nicht. Es gibt zwei große Gründe dafür: a) die organisierte Kriminalität und b) ihre eigene verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung.
a) Für die Schlepper und Zuhälter sind diese Mädchen wertvoll. Sie sind eine "Investition", denn sie wurde bereits "zugeritten", sie müssen die Lektionen vom Anfang an lernen. So sind sie als Ex-Prostituierte ein noch beliebteres Opfer für Zuhälter. Ein typischer Zuhälter von Zwangsprostituierten kennt ja den Begriff "Ex"-Prostituierte nicht. Für ihn ist sie erst dann "Ex", wenn sie unbrauchbar geworden ist, zu krank, zu verbraucht oder tot. In unserem Online-Archiv befinden sich zahlreiche Verweise auf die harte obszöne Schufterei, die das für die Frauen bedeutet: sieben Tage die Woche, keine Auszeit, manchmal mehr als 20 Männer am Tag, keine gesundheitliche Versorgung, oft ohne Kondome. Vergiß an dieser Stelle Irma LaDouce... Und natürlich tut - wie man es sich vorstellen kann - die Regierung und Polizei der betroffenen Landes nichts mit dieser katastrophalen Situation.
b) Zum Thema "normales" Leben: So weit das dann überhaupt noch möglich ist, ist es für die Mädchen und Frauen stets ein harter Kampf, zur Normalität zurückzukehren. Das Problem liegt z.B. in ihrer verzerrten Sicht der Dinge. Wenn sie nun mit 18 Jahren die Möglichkeit bekommen, als Näherin zu arbeiten oder in einem Supermarkt an der Kasse zu sitzen, ist es für sie schwer zu verstehen, daß man für etwas den ganzen Monat arbeiten muß, daß man in einem KFOR-Bordell an einem Abend verdienen konnte. Erinnern wir uns, daß viele am Anfang ihrer Odyssee minderjährige Kinder waren und sie haben von "normalem" Leben wenig Ahnung. Daß all das Hurengeld immer nur an ihnen vorbei wanderte, in die Tasche des Zuhälters, ist ihnen zwar bewuß, doch sie wissen noch gut, wie hoch die Summen (aus ihrer Sicht) waren, verglichen mit dem normalen Gehalt in Bulgarien und Rumänien. Die Versuchung des Geldes ist also da. Obwohl sie oft eine höllische Angst vor dem düsteren Leben im Rotlicht-Milieu haben, sind sie sehr beeinflußt von der demagogischen Denkweise ihrer früheren Zuhälter - die schlichtwegs sehr materiell ist. In diesem Dilemma sind die jungen Frauen sehr allein gelassen und es ist sehr schwer für sie, den richtigen Weg zu finden. Sie können darüber kaum mit ihren Eltern sprechen - die meisten Eltern aus diesen Ländern könnten die Wahrheit darüber ertragen, was ihrer Tochter in Holland, Deutschland oder Griechenland "wirklich passiert ist".
Natürlich wäre es falsch zu sagen, daß alle Ex-Prostituierten stets eine Tendenz haben, in die Prostitution zurückzukehren. Das ist überhaupt nicht so. Vielen sitzt die Angst noch jahrelang so tief in den Knochen, daß sie alles meiden, was nur annähernd nach Nachtleben aussieht. Aber ein gewisser Teil der sehr jungen Mädchen ist da tatsächlich gefährdet.
Wir haben oben das Risiko erwähnt, von der lokalen "Mafia" daheim erneut aufgegriffen zu werden. In osteuropäischen Ländern landen minderjährige Prostituierte manchmal in Waisenhäusern wie Podem. Hier werden sie vor unmittelbaren Gefahren weggesperrt, aber das Leben dort bietet gar keinen Ansatz, um ein "normaler" Erwachsener mit gesundem Sinn für Realität werden.
Passieren diese Sachen nur in Westeuropa?
Absolut nicht. Eine Frau, die z.B. in Moldavien gekidnappt wird, kann durch unzählige Hurenhäuser in viele Ländern kommen. Wie das Zeugenarchiv zeigt, wechseln einige Frauen sehr oft den Besitzer. Viele werden nach Mazedonien gebracht, um dort Sklavendienste zu machen in Bordellen, die seit dem Kosovo-Konflikt für die KFOR-Soldaten zahlreich entstanden sind. Andere landen auf der unrühmlich "berühmten" E55 in Nordtschechien, wo sie am Straßenrand stehen müssen. Der Rest kann in Deutschland, Frankreich, Holland, Großbritannien oder sogar in Israel (in der Zwangsprostitutions-Szene groß im Kommen). Aber wie die Zeugenaussagen belegen, ist die Situation einer Frau, die in Osteuropa gefangen ist, viel härter. Hier ist das Problem zugleich oft ein Problem der Kindersklaverei bzw. Kinderprostitution. Wie man in unserem Podem-Aufsatz lesen kann, geht inzwischen das Alter nicht selten bis auf 12 oder 13 Jahre herunter!
Warum "löst" die Polizei nicht das Problem?
Schwer zu beantworten. In osteuropäischen Ländern ist das meistens ein Problem der kriminellen Quantität, verbunden mit strukturellen Mängeln innerhalb der Polizeiorgane. In westlichen Ländern ist es meistens ein Mangel an einfacheren Gesetzen und die mangelnde Eigeninitiative der Beamten. Alles geht genau nach Vorschriften, auch wenn's dann wenig dem Mädchen hilft. Inzwischen haben alle europäischen Länder Dezernate, die sich nur damit befassen. Aber wahr ist, daß viele der Officers nicht sehr bewandert sind im Umgang mit diesen jungen Frauen. Strenge Einhaltung des Gesetzes kann da schon mal mehr schaden als helfen. Denn zuerst sind diese Frauen für die Polizei meistens "illegale Einwanderer". Sie haben keinen Paß, sprechen kaum die Sprache des Landes und haben nicht die geringste Ahnung von ihren Rechten. In vielen Fällen haben sie eine panische Angst, denn die Zuhälter hatten ihnen erzählt, daß sie sie töten werden, wenn sie mit der Polizei sprechen. Zum Glück haben einige Polizeistellen inzwischen einen guten Draht zu den NGOs. Einige Stellen rufen also gleich die Organisation an, wenn sie illegale Prostituierte in Untersuchungshaft haben.

Die Täter
Warum kommen hier auch Gangster zu Wort?
Viele mögen einwenden, daß es geschmacklos sei, hier auch den Gangstern eine Stimme zu geben. Aber wir halten das für ein schwaches Argument. Prostitution ist heute ein Dreiecksprozeß zwischen Zuhältern, Prostituierten und Kunden. Zum Verständnis des Problems ist die Rolle der der Schlepper und Zuhälter dominierend. In diesen Tagen werden viele Konzepte diskutiert, wie man die Prostitution "reformieren" könnte, durch die Abschaffung des &Zuhälters" und der Entstehung einer rein dualen Interessensgemeinschaft zwischen Hure und Kunde. Aber zu dieser (etwas romantische) Idee der Dekriminalisierung von Prostitution scheint es noch ein langer Weg zu sein - obwohl es dazu in Ländern wie Deutschland deutliche Ansätze gibt.
Wieso geben Schlepper und Zuhälter Interviews?
Es ist an den Kriminologen und erfahrenen Polizisten rund um die Welt über die Morphologie der organisierten Kriminalität und ihrer Teilnahme an der Prostitution. Für viele sind die Schlepper und Zuhälter jene Kerle, die im Dunkeln bleiben. Bis sie die Polizei schnappt. Sie sind gefährlich, nie allein, aggressiv, bewaffnet, überdurchschnittlich ignorant und viel zu egozentrisch. All diese Klischeés zeichnen das typische stereotype Bild eines Mafiagangsters - aber viele diese Eigenschaften sind tatsächlich nützlich, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein. Was sind als falsch erweist, ist die Annahme, daß wenn Du nicht Polizei bist, Du niemals mit ihnen ins Gespräch kommst. Die Journalistin Inge Bell interviewte einige dieser bösen Jungs, sogar mit einer Kamera und fragte sie alles, was sie wollte. Vielleicht mag es unvergleichlich schwieriger sein, mit balkanischen Zuhältern, Schleppern und Mafiosis in westlichen Ländern ins Gespräch zu kommen (denn hier müssen sie viel vorsichtiger sein), in Osteuropa ist es aber unter gewissen Umständen durchaus möglich. Das mag wohl mit dem hegemonialen Selbstbewußtsein der Schlepper und Zuhälter zusammenhängen. Sie kontrollieren perfekt ihre Umgebung. Sie sind manchmal ziemlich "Macho" und wollen gerne einer Journalistin zeigen, daß sie nichts zu befürchten haben und sich nicht zu verstecken brauchen.
Aber dank dieser Tatsache haben wir nun diese einmaligen Aussagen dieser Leute, verantwortlich für die kriminelle Organisation von Verschleppung und Versklavung von Kindern und Frauen.
Wie können Menschenhändler damit ein Vermögen machen? Woher kommt die Nachfrage nach ausländischen Prostituierten?
Darauf gibt es viele Antworten. Es geht um Kontrolle. Die Zuhälter brauchen eine 100%ige Kontrolle über die Mädchen und das ist viel einfacher in einem fremden Land zu machen, wo die Frau unsicher ist und die Situation nicht richtig abschätzen kann. Dann hat es was mit Polizei zu tun und der Art, wie sie mit ausländischen Frauen umgehen. Man stelle sich nur vor, jemand würde Tausende minderjährige deutsche Mädchen in deutschen Städten zur Prostitution zwingen. Das ganze Land würde Amok laufen. Aber weil es Mädchen sind aus Albanien, Moldavien oder Rumänien, gibt es nur die übliche Kritik der Menschenrechtsorganisationen. Falls Du jemals ein Beispiel für die doppelte Moral der Europäischen Union gesucht hast, ist es dieses hier. Und das läuft genauso in Osteuropa. Natürlich gibt es genug bulgarische Prostituierte in Bulgarien und makedonische in Makedonien - aber die drastische Daumenregel (für Polizei und Mafia) ist, die ausländischen kann man mieser behandeln. Und zuletzt der am meisten bekannte Grund: mit Prostituierten aus dem Ausland kann man stets die lokale Preissituation zerstören - was auch geschieht.
Was kostet ein Mädchen?
Der Preis hängt von verschiedenen Dingen ab. Eines davon ist die Gegend, wo der Handel stattfindet. Ein Erstverkauf in Moldavien bringt weniger ein, als ein Endkundenverkauf irgendwo im Westen. Ein anderer Parameter ist das Alter des Mädchens. Jüngere bringen mehr ein. Der dritte und vielleicht wichtigste Aspekt ist die Schönheit. Wie einige unsere Archivberichte zeigen, gibt es hierzu richtige Auktionen und Fleischbeschauungen. Zeugenberichte haben uns gezeigt, daß der Preis auf dem Balkan zwischen 500 und 2000 Euro liegen kann, gemessen an den oben beschriebenen Faktoren.

Die Freier
Warum wollen wir mit ihnen sprechen?
Die Diskussion um das Thema der Zwangsprostitution (und der Prostitution im Allgemeinen) passiert weitgehend ohne der Teilnahme derer die der eigentliche "Motor" der Prostitutionsidee: die Kunden, die zu Huren gehen. Das mag damit zusammenhängen, daß diese Männer selten darauf "stolz" sind und kaum den Schritt ins öffentliche Licht suchen. Viele von ihnen sind verheiratet oder haben einen "anständigen", bürgerlichen Hintergrund.
Es ist nicht das Ziel dieser WebSite, die polarisierenden Kampagnen gegen die Freier oder die Prostitution im Allgemeinen zu unterstützen. Diese Projekt konzentriert sich auf Zeugenaussagen. So neutral, wie nur möglich, lassen wir diese Bekenntnisse für sich sprechen.
Die "Freier" spielen eine wichtige Rolle innerhalb der Problematik um Zwangsprostitution und aus diesem Grund möchten wir ebenfalls ihre Aussagen aufnehmen. Uns interessiert ihre Identität und ihr wahrer Name nicht - nur das, was sie zu sagen haben und auf welche Erfahrungen sie zurückblicken. Wir möchten herausfinden, ob sich "Kunden" manchmal dessen bewußt sind, daß sie in Berührung kamen miteiner sklaven-artigen Prostituierten und welche Rolle es für sie spielte. Oder ob sie sich weigern würden, mit einer Prostituierten zu gehen, wenn sie wüßten, daß sie in dieser Art von Schwierigkeiten steckt. Über diese graue Zone zwischen Ignoranz und Informationsmangel ist wenig bekannt. Darum wendet sich der Abschnitt die Freier an Männer mit Erfahrungen mit Prostitution und soll ihnen die Möglichkeit geben, anonym ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen.
Erkennen Kunden, wenn sie es mit einer Zwangsprostituierten zu tun haben?
Gemessen an den wenigen Aussagen, die wir hierzu haben, scheinen viele Freier sehr selbstbewußt über diese Frage zu denken und meinen sicher zu sein, daß sie erkennen würden, daß etwas "faul" ist. Aber es hat sich gezeigt, daß in den meisten Fällen - wenn es zur Realität kommt - sie rein gar nichts erkennen. Es ist schwer zu sagen, wann jemand die Symptome nicht "sehen kann" oder nicht "sehen will". Einige können tatsächlich Anzeichen der Schwierigkeiten in denen das Mädchen steckt erkennen, aber sie ignorieren es oft. Über diese Dinge ist nicht viel bekannt und eines unserer Ziele ist es, über Freier und ihre Haltung zur Zwangsprostitution mehr in Erfahrung zu bringen.
Wie verhalten sich Freier, wenn sie erkennen, daß eine Prostituierte gezwungen wird, verschleppt wurde oder minderjährig ist?
Darüber ist nicht so viel bekannt, aber grundlegend gibt es drei Gruppen:
-- Gruppe 1: betrachtet das als einen zusätzlichen "kick"
-- Gruppe 2: ignoriert/unterdrückt diese Erkenntnis (hat aber u.U. nachher Gewissensbisse)
-- Gruppe 3: handelt (informiert Polizei oder lehnt wenigstens Sex mit ihr ab)
-- Gruppe 2: ignoriert/unterdrückt diese Erkenntnis (hat aber u.U. nachher Gewissensbisse)
-- Gruppe 3: handelt (informiert Polizei oder lehnt wenigstens Sex mit ihr ab)
Die Größenverhältnisse zwischen diesen drei Gruppen sind vollkommen unbekannt. Auf das Risiko hin, als naiv bezeichnet zu werden, hoffen wir mit diesem Projekt wenigstens einen kleinen Einfluß zu nehmen auf die Proportionen dieser drei Gruppen - und helfen jenen Sex-Work-Kunden, die Sex mit Minderjährigen, Gewalt und Verschleppung ablehnen, besser informiert zu sein und mit der Situation bewußter umzugehen. Wir glauben nicht, da&czlig; wir Einfluß nehmen können auf Vertreter der ersten Kategorie. Aber wir hoffen, daß wir Menschen aus der zweiten Gruppe in die dritte begleiten können. Wir wollen einfach, daß Männer wie Männer handeln. Wir verurteilen den Weg zur Prostituierten nicht - wir sprechen davon, was es heißt, als Freier von der Mafia instrumentalisiert zu sein, in einem dreckigen Spiel der Geldgier. Natürlich können unsere Bemühungen in dieser Richtung enttäuschend sein - aber es ist ein alternativer Weg, der versucht werden muß. Wir wollen Kunden in die Diskussion und Handlung einbeziehen.
Wie sollten sich Freier verhalten, wenn sie feststellen, daß ein Mädchen zur Prostitution gezwungen wird?
Die erste Regel ist: nachdenken! Oder es wenigstens versuchen. Du mußt nicht ein Held sein - nur versuche dir so viele Details wie möglich zu merken und spreche mit einer NGO. Die reden oft mit Kunden und sind daran gewöhnt - das ist für die keine große Sache. Sag ihnen, was du weißt und gesehen hast oder besuche sie in ihrem Büro. Verschwiegenheit ist ihr Geschäft. Überlaß den Fall ihnen. Wenn dir an der Sache was liegt, dann frage bald nach, was da inzwischen passiert ist. Jeder Tag zählt. Falls du mit den Ergebnissen nicht zufrieden bist, konsultiere eine andere NGO oder schreib uns eine eMail. Es mag dir zuerst nicht bewußt sein, aber du hältst mit großer Wahrscheinlichkeit ein Leben in Deinen Händen. Zwangsprostituierte haben eine unangenehm niedrige Lebenserwartung. Denk darüber nach.
Helfen viele Kunden gefangenen Mädchen?
Leider nicht. Und das ist schade. Denn sie sind die Kunden. Für die Zuhälter sind sie Tabu - denn sie sind das "Geld" - der Grund warum das alles passiert. Sie können somit in Bordelle ein und aus marschieren - was NGO-Leute selten tun. Also könnten Kunden/Freier eine große Hilfe sein bei der Bestrebung, Sex-Work ein wenig mehr in die Mitte zu bewegen, weg von jenen verachtenden Perversionen die sich dort nun ereignen. Aber das kommt durchaus vor. Denn manchmal verliebt sich ein Kunde in das Mädchen. Er war zuerst so blind für all die Zeichen - denn er wollte sie nicht sehen. Und dann plötzlich, emotional fixiert, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Nun versteht er die blauen Flecken, das seltsame Benehmen - und dann ist sie plötzlich weg. Natürlich. Zuhälter verkaufen ihre Mädchen gerne rum. Dann wird der verliebte Kunde plötzlich panisch - dann rennt er zur Polizei, ruft NGOs an und will alles in der Welt bewegen, um sie zu finden, sie zurückzubekommen. Meistens vergeblich. Wir kennen tatsächlich Fälle aus dem tschechischen Grenzgebiet oder aus Bulgarien, wo der verzweifelte Freier nur noch vom Tod des Mädchens erfahren hat. Auf der Flucht getötet? Wer weiß?

Ein Leben nach der Prostitution: Beispielfall Podem
Was ist Podem? - weggesperrt und vergessen...
Podem ein Waisenheim für minderjährige Ex-Prostituierte in Bulgarien. Die Mädchen sind in einem Alter von 8 bis 18 Jahren. Sie wurden von der Polizei auf der Straße oder bei Razzias aufgelesen. Sie haben oft viele Bordelle rund um ganz Europa gesehen. Viele von ihnen sind ernsthaft krank oder brauchen psychologische Betreuung. Während das Management des Heimes das Beste aus dem Wenig zu machen, sind für die bulgarische Regierung diese Mädchen einfach weggesperrt und vergessen. Es mag nicht überraschen, daß einige weglaufen, denn das Leben in Podem bietet ihnen keine Perspektiven.
Durch unseren Einblick in die schlechten Bedingungen in Podem, versuchen wir Lösungen und Strategien zu finden, um diesen Mädchen wenigstens ein wenig zum normalen Leben zu verhelfen - soweit das überhaupt denkbar ist. Unglücklicherweise spielt das Problem der minderjährigen Zwangsprostitution für die Regierung des EU-Beitrittskandidaten Bulgarien keine sehr ernste Rolle.
In dem Podem-Abschnitt auf unserer Website kannst du mehr Informationen finden über dieses Heim, das ein klares Beispiel fü die unzähligen Probleme eines "Lebens nach der Prostitution" darstellt.
Wenn du Ideen und Anregungen hast: schreibe uns. Wir brauchen immer Hilfe bei diesem Kampf gegen die Windmühlen.
Ist Podem ein Projekt von uns?
Nein. Podem ist eine bulgarische staatliche "Institution". Wir haben mit der Verwaltung nichts zu tun. Aber wir möchten hier helfen, denn wir erachten die Gegenwart der Mädchen in diesem Heim nicht als eine brauchbare oder entgültige Lösung des Problems. Sie können auch die WebSite der Gesellschaft Sandra hilft Kindern besuchen, die hier ebenfalls zu helfen versucht.
