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// T h e S t r e e t W a t c h //
Monday, December 08, 2003 REFLEX, NR. 45, 2003 Familiengeschäft mit Kindern
Nach der deutschen Sektion der UNICEF ist tschechisches Grenzland ein Paradies
für organisierte Kinderprostitution. Die tschechische Seite lehnt das vehement
ab. Mehr als eine offizielle Erklärung des Premierministers und polizeilicher
Spreche kann hier ein konkreter Fall die Realität vermitteln. Eine Mutter,
die ihre zwölfjährige Tochter an deutsche Sextouristen anbot, schickte
dieses Jahr das Gericht in Ústí nad Labem für sechseinhalb Jahre
ins Gefängnis.
Die Familie der Verurteilten lebte in den Sozialwohnungen in der Maticná Straße. Die Mutter bezog für betreffende Zeit keine Sozialhilfe, da sie illegal mit ihrer Tochter aus der Slovakei einreiste. Die Einnahmen aus der Prostitution ihrer Tochter waren die einzige Quelle der Ernährung. Auch der Bericht der UNICEF konstatiert, daß es sich um ein Problem der ärmsten Schicht handelt. Beim Verhör beschrieb die mißbrauchte Zuzana, wie sie mit zwölf von ihrer älteren Cousine an die Prostitution herangeführt wurde. "Es kam irgendein Deutscher, sie steckte mich zu ihm ins Auto und er sagte, ich soll ihm einen blasen. Ich wollte nicht und fing zu weinen an." Nach ihren Worten betrieb sie die Prostitution dann mehr oder weniger freiwillig des Geldes wegen, das sie zur Hälfte mit der Mutter teilte. Sie bestreitet nicht, daß sie ihre Mutter geschlagen hat, wenn sie einen Kunden ablehnen wollte. Auch eine Übereinstimmung mit dem UNICEF-Bericht, der besagt, daß am häufigsten die Kinder von Verwandten verkauft und mit Gewalt gezwungen werden. Allein die Existenz dieses Falls belegt, daß die tschechische Seite nicht kategorisch behaupten kann, daß es im Grenzgebiet keine Prostitution gibt. Die Frage ist - in welchem Maße und wie sehr ist sie organisiert? Ein Konzentrationslager? Der Fall von Zuzana beinhaltet aber kein Anzeichen für eine Verbindung zu organisiertem Verbrechen. Der Ermittler der Kriminalpolizei für Nord-Tschechien Jirí Volprecht behauptet, daß der Bereich der Kinderprostitution ausschließlich eine "Familienangelegenheit" ist. Er glaubt nicht an Informationen über das Verschleppen von Kindern aus tschechischen Gegenden oder anderen Ländern Mittel- und Osteuropas in die deutsch-tschechische Grenzregion. "Vor vier Jahren kam aus der selben Quelle die Mitteilung, daß es in der Gegend von Chomutov geradezu ein ’Konzentrationslager’ für solche Lager geben soll. Wir haben eine Reihe in Frage kommender Objekte durchsucht und fanden nie einen Hinweis darauf. Regelmäßig nehmen wir Kontrollen öffentlicher Häuser vor, noch nie stießen wir auf ein Mädchen jünger als 15 Jahre. Ich wage es zu behaupten, daß wenn hier ein organisierter Kinderhandel passieren würde, dann wüßten wir bald etwas davon." "Das Geheimnis" Der Bericht der deutschen UNICEF geht davon aus, daß im tschechischen Grenzland Hunderte von Kindern anschaffen. In Nordtschechien registrierte die Polizei solche Fälle nur zwei. "Sicherlich sind es mehr, doch die Polizei hat hier eine schwere Arbeit. Nur selten dringen Erkenntnisse über solche Vorgänge außerhalb der Familie," bemerkt Volprecht. Und wie kamen die Beweise über den Fall der minderjährigen Zuzana ans Tageslicht? Sie lief in hübschen Kleidern rum, trug Goldkettchen und flunkerte damit vor Freundinnen. Die Nachbarn sahen sie oft in Autos mit deutschen Kennzeichen einsteigen. Noch bevor diese Information mittels der Schulleitung an die Polizei geriet, war innerhalb der Maticná Straße die Tatsache, daß Susanna anschafft, eine öffentliches Geheimnis. "Ich denke, daß man hier so eine Sache nicht geheim halten kann," beschreibt das Milieu die hiesige Streetworkerin der Gesellschaft "Clovek v tísni" Barbora Maresová. "Ich bin mit diesen Menschen jeden Tag im Kontakt, der Großteil vertraut uns und ich habe von ihnen keine Signale über einen ähnlichen Fall." (Übersetzt aus dem Tschechischen) Martin Krsek
Tuesday, November 04, 2003 MF DNES – 4. NOVEMBER 2003 Junge Mädchen von Strichern angesteckt
Hlubocky - Ein Mädchen-Trio in Hlubocky bei Olomouc, die vor einiger Zeit mit
Syphilis im Krankenhaus eingeliefert wurden, wurden von lokalen Strichern angesteckt. Diese
fuhren nach Prag um dort homosexuelle Dienste anzubieten.
Diese Information gab dem Tagesblatt Blesk ein Kriminalist, der an diesem Fall arbeitet. Die Mädchen waren vierzehn, fünfzehn und sechzehn Jahre alt. "Es fragt sich, ob es gelingt, den Mann zu finden, bei dem sich die Jungs angesteckt haben, das ist aber ein Fall für die Hygieniker. Für uns ist es von Interesse, herauszufinden, wer die hiesigen Mädchen ansteckte, vor allem das Mädchen unter fünfzehn. Den Ärzten nach hatten die Mädchen Glück, daß es gelang die Krankheit im ersten Stadium abzufangen. "Die Heilung wird dadurch erfolgreich und sollte ohne Folgen bleiben", meinte der Sprecher der Medizinischen Fakultät von Olomouc Stanislav Kopecný. Zwei der beiden Mädchen wurden auch schon nach einer mehr als einmonatigen Behandlung entlassen. Das jüngste, eine 14jährige Schülerin verbleibt aber weiterhin im Krankehaus. Den jungen Mann, der sie ansteckte, wird nach Blesk die Polizei zumindest des sexuellen Mißbrauchs beschuldigen. (Übersetzt aus dem Tschechischen) Tuesday, November 04, 2003 PRÁVO – 4. NOVEMBER 2003 Mit Syphilis vermutlich von Strichern angesteckt
Hlubocky - Erschütternder Fall dreier Mädchen (14, 15 und 16 Jahre) aus Hlubocky bei
Olomouc, die sich vor geraumer Zeit mit Syphilis angesteckt haben, ist noch immer in Unklarheiten
verschleiert. Nach den Worten des Sprechers der olomoucer Medizinischen Fakultät Stanislav Kopecný
wurden bereits zwei der Mädchen wieder entlassen. Die Jüngste verbleibt im Krankenhaus.
"Angesichts dessen, daß die syphilitische Erkrankung im Anfangsstadium ermittelt wurde, wird die Behandlung erfolgreich sein und die Mädchen wohl ohne Folgeschäden bleiben", meinte Kopecný. Zwei der angesteckten Mädchen waren Schülerinnen der neunten Klasse der Hauptschule von Hlubocky. Obwohl die Mädchen genesen werden, wird noch immer ermittelt, woher die Ansteckung gekommen ist. "Es geht um eine sehr empfindliche Angelegenheit. Der Fall ist nicht zu Ende gelöst und deshalb wird die Polize dazu im Augenblick keine Informationen geben", sagte am Montag die Sprecherin der Polizei von Olomouc, Jitka Dolejsová. Gleichzeit wollte sie die Angaben in der Presse weder bestätigen noch widerlegen. Demnach hätten sich die Mädchen bei hiesigen Jugendlichen angesteckt, die regelmäßig nach Prag fuhren, um dort homosexuelle Dienste anzubieten. Die Polizei interessiert sich vor allem für den, der sexuellen Kontakt mit dem jüngsten Mädchen hatte, die minderjährig war. Wenn es gelingt, den Täter zu stellen, erwartet diesen zumindest eine Anklage des sexuellen Mißbrauchs einer Person unter 15 Jahre. (Übersetzt aus dem Tschechischen) Tuesday, November 04, 2003 MLADA FRONTA DNES - 4. NOVEMBER 2003 Buch über Prostitution ist Sprengstoff Das Innenministerium ermittelt, ob Autoren des Berichts über Kinderprostitution nicht eine Straftat begangen haben. (Übersetzung ist gekürzt...)
Berlin, Prag (CTK) – Die Herausgabe des Buches über angebliche Kinderprostitution begann
eine Serie gegenseitiger Angriffe der Deutschen und Tschechen.
Das Innenministerium ermittelt nun, ob die deutsche NGO, die hier publizierte, sich nicht strafbar gemacht hat. "Wir prüfen, ob hier nicht der Strafbestand der Straftatbegünstigung vorliegt. Diesen begeht jeder der von der Vorbereitung der Straftat des Kindesmißbrauchs erfährt, aber die Durchführung nicht verhindert.", sagte der Chef der Abteilung für Sicherheitspolitik des Innenministerium Michal Mazel. "Die deutschen Sozial-Aktivistinnen lieferten in der Vergangenheit den deutschen, wie auch den tschechischen Ämtern Informationen bei Verdacht von Kindermißbrauch im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten", schrieben die deutsche Zweigstelle der UNICEF und KARO in einer Erklärung. (...) Die tschechischen Polizisten haben Cathrin Schauer angeblich mehrmals gesagt, sie solle deutsche Autokennzeichen an die deutsche Polizei weitergeben. (...) Das Buch, in dem Schauer rund 500 Fälle von Kinderprostitution beschreibt, rief in Tschechien eine negative Reaktion hervor. Z.B. das Innenministerium bezeichnete die bisher bekannten Angaben im Bericht als "übertreiben, überzeichnet und nicht der Realität entsprechend". Dem wehrt sich KARO und UNICEF. "Wir sind recht überrascht von der negativen Reaktion der tschechischen Ämter", sagte Schauer. "Das Ziel war nicht, die tschechischen Behörden anzuprangern. Davon steht im Buch kein Wort", fügte sie an. "Wir wissen, daß die Verursacher des Problems deutsche Männer sind", ergänzte die Sprecherin der deutschen Niederlassung von UNICEF Helga Kuhn. "Informationen ähnlicher Natur veröffentlicht KARO schon seit 2000. Mit katastrophischen und manipulativen Berichten über Kinderprostitution in der Tschechischen Republik haben sie sich schon zuvor entsprechend diskreditiert", reagierte wiederum Mazel. Die deutsche Regierung hält sich vorerst abseits dieses Streits, wenn auch der Sprecher des Kabinetts Béla Anda letzte Woche erklärte, daß Berlin den Aufruf zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justizorganen bei der Bekämpfung der Kinderprostitution. Vor zwei Jahren konstatierte die Bundesregierung aber, daß die Sextouristik im Grenzland weniger geworden ist, als es in einigen deutschen Medien geschildert wurde. Saturday, November 01, 2003 MLADA FRONTA DNES - 1. NOVEMBER 2003 Kinderprostitution ist bei uns minimal, behauptet das Innenministerium
Prag (CTK) – Die Polizei reagierte gestern scharf auf die Informationen der deutschen Niederlassung
des Kinderfonds UNICEF, der behauptet, daß auf der tschechisch-deutschen Grenze die Kinderprostitution
floriert. "Auf keinen Fall geht es um eine massenhafte Ausbreitung dieser Straftaten", sagte
gestern dem Tschechischen Rundfunk der Leiter des Referats für Sicherheitspolitik des Innenministeriums
Michal Mazel.
Seiner Meinung nach gibt es zwar Kinderprostitution in Tschechien, aber nur in begrenztem Maße. Mazel erklärte, daß das Innenministerium plant sich in der Zukunft gegen solche Kritik mit Nachdruck zu wehren. Zuerst wird es sich gründlich mit dem Bericht vertraut machen, um dagegen "mit harten Fakten in der Hand" erfolgreich argumentieren zu können. Mazel kritisierte auch scharf die deutsche Organisation KARO, an deren Bericht sich die UNICEF anlehnte. Die Autorin des Berichts Cathrin Schauer behauptete, daß sie seit dem Jahr 1996 rund 500 Kinder beobachtete, die entweder sich selbst anboten, oder von ihren Eltern zur Prostitution gezwungen wurden. Mazel behauptet, daß sich ähnliche Informationen nie bestätigt haben. "Es ging um Informationen aus sehr unglaubwürdigen Quellen", erklärte er. (Übersetzt aus dem Tschechischen) Thursday, October 30, 2003 Mladá Fronta DNES, 30. OKTOBER 2003 Polizei kennt nur wenige Fälle von Kinderprostitution Letztes Jahr wurden sieben Fälle ermittelt. Meistens gelingt es nicht, jene zu erwischen, die zur Prostitution zwingen.
Fünfzig tausend Sextouristen kommen jährlich nach Tschechien, um eine
Kinderprostituierte zu kaufen. Das behauptet wenigstens die deutsche Niederlassung
der UNICEF. Wie ist es in Wirklichkeit?
Prag – Nach dem kürzlichen gesamtsstaatlichen Einsatz in Nachtclubs vergaß der Polizeipräsident Jirí Kolár nicht zu betonen, daß seine Leute "nirgendwo auf Kinderprostitution gestoßen sind", und somit jegliche ausländische Kritik der Grundlage entbehrt. Es war eine etwas übereilte Aussage. Nicht etwa wegen dem neusten Bericht der deutschen Niederlassung der UNICEF, die tschechisches Grenzland als Paradies für Pädophile bezeichnet, aber deshalb weil die Polizei selbst dort von Zeit zu Zeit Fälle ermittelt, bei denen Kinder Opfer von Sexbusineß werden. "Nichts spricht dafür, daß es sich in einem massiven Maßstab abspielt," sagte gestern im Tschechischen Fernsehen der Innenminister Stanislav Gross und fügte an: "Ich kann aber Einzelfälle nicht ausschließen." Minderjährige Opfer der sexuellen Ausbeutung gibt es Hunderte: aber in der Regel handelt es sich um die Geschichten befremdlicher Familienverhältnisse. Die Minderjährigen werden vergewaltigt von Angehörigen oder nahestehenden Menschen. Die Statistik der Polizei ist hier viel nüchterner: letztes Jahr ermittelten die Kriminalisten "lediglich" sieben Fälle echter kommerzieller Ausbeutung. "Mit Kinderprostituierten kommen wir in unwesentlicher Menge in Kontakt. Junge Mädchen finden wir auf der Straße nur paarmal im Jahr. Allersamt sind sie um die 15 und gewöhnlich auf der Flucht aus einem Kinderheim oder von den Eltern," stellt Jaroslav Peleska von der Polizei in Chomutov richtig. Was erzählen Opfer der Kinderprostitution? - Antonín, 15 Jahre: Wenn Deutsche ein kleines Kind wollen, dann hole ich meinen sechsjährigen Bruder. Meine Freunde machen das auch so. - Simona, 16 Jahre: Manchmal klingelt ein Deutscher bei uns daheim, meine Mutter läßt mich dann wissen, daß ich einen Kunden habe. - Tomás, 8 Jahre: Ich will Polizist werden. Dann werde ich alle Deutschen hinter Gittern bringen. Das Problem der Kinderprostitution bereitet nicht nur den Ermittlern aus dem Grenzland Kopfzerbrechen. So verhafteten prager Polizisten vor einem Jahr einen Barmann aus einer Bar in Zizkov, der vierzehnjährige Mädchen versteckte, die aus einem Kinderheim geflohen waren und dieses dann zur Prostitution zwang. Ein spezifisches Kapitel ist die homosexuellen Stricher, die in der Umgebung des Prager Hauptbahnhofs "arbeiten". In einer Studie aus dem Jahr 2001 steht, daß sich in der Hauptstadt mit verkäuflichem Sex über tausend, häufig minderjährige, Männer ernähren. "Wir sind in Kontakt mit rund 500 Strichern und Prostituierten, davon ist ein Drittel jünger als 15 Jahre", erklärte damals der Streetworker László Sümegh. Aus erwähnten Fällen ist es klar, daß Kinderprostitution in Tschechien existiert. Aber warum ermittelte die Polizei nur sieben Fälle? "Wir stoßen darauf, daß ein Großteil der minderjährigen Prostituierten und Stricher durch niemanden zu etwas gezwungen wird. Demnach gibt es für uns niemanden, gegen den wir ermitteln können. Zum Verkauf des eigenen Körpers werden sie durch eine komplizierte Lebenslage und das Schicksal gezwungen", sagte ein Prager Polizist, der mit Sittendelikten zu tun hat. (Übersetzt aus dem Tschechischen)
Radek Kedroñ
Jakub Pokorný Thursday, October 30, 2003 Mladá Fronta DNES, 30. OKTOBER 2003 - Interview Opfer sind auch Säuglinge. Dafür haben wir Beweise.
Prag – Die neue Publikation "Kinder auf dem Strich", die ein niederschmetterndes Zeugnis
über Handel mit Kindern an der tschechisch-deutschen Grenze ablegt, schockierte die deutsche
Öffentlichkeit. In einem telefonischen Gespräch mit der Redaktion von Mlada Fronta DNES
erklärte die Autorin Cathrin Schauer vom Sozialprojekt KARO, daß sie alle Beweise
für diese Behautpungen in der Hand hat.
"Selbstverständlich kann ich alles beweisen. Wir haben ausser anderem Tonaufnahmen mit Aussagen von mißbrauchten Kindern und Jugendlichen. Wir haben rund 500 Kinder beobachtet, die sich zur Prostitution anboten oder dazu von Erwachsenen gezwungen wurden. Die jüngsten Opfer sind sogar Säuglinge. Wir führten auch Gesprächen mit Sozialarbeitern, Polizisten und zufälligen Touristen", behauptet Schauer. Fakten sammelten Sie seit dem Jahr 1996. Warum kommen Sie mit einer derart schockierenden Mitteilung erst nach acht Jahren an die Öffentlichkeit, wenn es für manche der Opfer bereits zu spät ist? Hätten Sie nicht die Polizei oder die Ämter früher informieren sollen? "Sie müssen verstehen, daß wir erst mal das Vertrauen der Betroffenen gewinnen mußten – es war eine mühsame Ameisenarbeit. Wir mußten umsichtig vorgehen, die Kinder nicht verschrecken und den Verdacht der Zuhälter nicht wecken, die oft ihre eigenen Eltern waren. Stück für Stück sammelten wir Beweise, die wir nun vorlegten. Die Polizei wußte von all dem." Waren, bzw. sind die Täter überwiegend deutsche Pädophile und Sextouristen? "Ja. Vor allem aus Bayern und Sachsen, die mit Tschechien benachbart sind. Oft kommen sie aber aus ganz Deutschland, oder auch aus Österreich und Italien. Es sind alle Altersgruppen vertreten von 18 bis 80 Jahren. Elegante Typen, wie heruntergekommene." (Übersetzt aus dem Tschechischen)
Zita Senková
Monday, December 01, 2003 Irgendwo zwischen Cheb und Sokolov... Photografiert an Allerseelen... ![]() Thursday, October 30, 2003 Právo, Donnerstag, 30. Oktober 2003 Bürgermeister aus Grenzland protestieren gegen Behauptungen über Kinderprostitution
Tschechisch-deutsches Grenzgebiet erwartet wohl eine weitere Welle medialen Interesses für
Kinderprostitution. Den Bürgermeistern aus den Städten dieser Region zufolge geht es
aber um Desinformation, die wie bereits vor einigen Jahren aus der selben Quelle stammen.
Auf Mitteilungen darüber, daß UNICEF mit Verweis auf das Buch von Cathrin Schauer von der Organisation KARO zu einer Lösung der sehr verbreiteten Kinderprostitution aufruft, reagierten die Vertreter Chebs und Ass ähnlich. "Ich bin davon überzeugt, daß Kinderprostitution im unseren Region im einzelnen existiert. Doch beim weiten hat sie nicht diese Ausmaße, in welchen sie Cathrin Schauer von der Organisation KARO zu präsentieren versucht," verlautbarte zum Beispiel der Bürgermeister von As Dalibor Blazek (ODS). "Ich glaube den Informationen der Polizei der Tschechischen Republik, die schon früher und mehrfach die Behauptungen von KARO ablehnte," fügte er hinzu. Nach Blazek stehen hinter diesen Informationen persönliche Gründe. "Frau Schauer brachte ein Buch über angebliche Kinderprostitution heraus und muss nun dieses auch propagieren und sich selbst sichtbar machen. Es ist bedauerlich, dass zu dieser Propaganda sich der Kinderfond der UNO, der UNICEF mißbrauchen ließ, den ich für eine seriöse Institution halte. Es ist bedaurlich, daß dieses Projekt von der Gattin des deutschen Präsidenten unterstützt wurde", meinte Blazek. Die Organisation KARO wirkte mehrere Jahre in Cheb. Im Vorjahr beendeten sie aber nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Rathaus dort ihre Tätigkeit. Hinter diesen Meinungsverschiedenheiten standen vorrangig auch Informationen die an die Medien weitergegeben wurden und die Cheb als ein Paradies der Kinderprositution darstellten. Die Polizei hatte aber solche Erkenntnisse nicht und erhielt von KARO auch keine Hinweise. Cheb befürchtet eine mediale Seifenblase Als die Kinderprostitution an Ort und Stelle ein Reporter der ARD zu beweisen versuchte, wurde er unter dem Vorwand des Sex mit einem jungen Mädchen in eine Wohnung gelockt und ausgeraubt. Die Ermittlung der Polizei und die darauffolgende Gerichtsverhandlung, die vor einigen Wochen zu Ende ging, stellte daraufhin fest, daß der Sex mit einem Mädchen wie in vielen anderen Fällen hier als Vorwand für einen Raubüberfall diente. Das Mädchen selbst war noch Jungfrau. Weitere mediale Seifenblasen fürchtet man in Cheb. "Es schädigt uns sehr. Schon wieder melden sich Leute und Journalisten aus der ganzen Welt. Solche Informationen wecken logischerweise Emotionen und Verbitterung. Wir sind aber davon überzeugt, daß es sich um übertriebene Angaben handelt. Auch nach Experten zu dieser Thematik übersteigt das Auftreten der Kinderprostitution in Cheb nicht andere Orte, nicht nur bei uns, aber auch in Europa", sagte der Vicebürgermeister von Cheb Václav Jakl (ODS). Die Polizei von Cheb ermittelte diese Jahr in acht Fällen von sexuellem Mißbrauch. "Zumeist geht es aber um Mißbrauch innerhalb der Familie. Daß hier auch die Prostitution von Kindern bestehen kann, laßt sich nicht ausschließen. Falls das der Fall ist, so handelt es sich nur um vereinzelte Fälle", führte die Sprecherin der Polizei von Cheb, Martina Hrusková an. (Übersetzt aus dem Tschechischen)
Pavel Peñas
Thursday, October 30, 2003 METRO, Donnerstag, 30. Oktober 2003 Tschechisches Grenzgebiet lockt laut UNICEF Pädophile an Deutschland Deutsche Regierung bot der Tschechischen Republik gestern eine umfassende Unterstützung im Kampf gegen die Kinderprostitution an. Die deutsche Sektion des Kinderfonds der UNO (UNICEF) behauptet, daß im tschechischen Grenzland Hunderte von Kindern zur Prostitution gezwungen werden. Kinderprostitution im Norden gibt es nicht Ustí nad Labem – Das Problem der Kinderprostitution gibt es im Norden nicht. Sprecherin der nordtschechischen Polizeiverwaltung Jarmila Hrubesová sagte gestern, daß nordtschechische Polizisten dieses Jahr zum Beispiel keinen einzigen Fall von Kinderprostitution verzeichnet haben. Sie reagierte damit auf die gestern veröffentlichten Informationen des deutschen Kinderfonds der UNO (UNICEF). (Übersetzt aus dem Tschechischen) Wednesday, October 29, 2003 PRÁVO, Mittwoch 29.Oktober 2003 Tschechisches Grenzgebiet lockt laut UNICEF Pädophile an
BERLIN/PRAG (dpa, CTK) – Kinderprostitution erlebt eine solche Blüte
im tschechisch-deutschen Grenzgebiet, daß sie aus dieser Region eine von
Pädophilen meistbesuchten Zone mit regulärem Markt gemacht hat.
(Übersetzt aus dem Tschechischen)
Das behauptet ein Bericht des Kinderfonds der UNO (UNICEF), veröffentlicht gestern in Berlin. Tschechische Polizei behauptet, daß sie keine Kenntnisse von Kinderprostitution im Grenzgebiet hat. "Es ist schockierend, daß Kinder in unserer unmittelbaren Nachbarschaft so rücksichtslos mißbraucht werden", meinte Christa Rau, Gattin des Bundespräsidenten und Patronin der UNICEF-Aktion mit dem Namen "Kinder sind unverkäuflich!". "Wir müssen alles unternehmen, um Opfern zu helfen und weitere Kinder vor diesen Verbrechen zu schützen." Deutsche Sektion der UNICEF legte zusammen mit der Organisation zum Schutz von Kinderrechten ECPAT die Analyse mit dem Titel "Kinder auf dem Strich – Bericht von der deutsch-tschechischen Grenze" . Ihre Autorin Cathrin Schauer verfolgte vom Jahr 1996 das Schicksal von rund 500 Jungs und Mädchen, die sich zur Prostitution anbieten oder deren Dienste von Erwachsenen vermittelt werden. Die jüngsten von ihnen sollen sogar Säuglinge sein. Schauer, Mitarbeiterin des Sozialprojekts KARO führte außerdem Gespräche mit 200 betroffenen Kindern, erwachsenen Prostituierten, Arbeitern von Sozialanstalten, Polizisten und Touristen die nach Tschechien kommen. Gemäß UNICEF und ECPAT werden im tschechisch-deutschen Grenzgebiet Kinder von Familienangehörigen zur Prostitution gezwungen. "Ich war zehn Jahre alt, als mich Mutter eines Nachts weckte und sagte, ein deutscher Kunde warte auf mich", erzählte ein Mädchen. Spidla: Bericht der UNO entspricht nicht der Situation Gangs aus Zuhältern und Händlern mit weißem Fleisch verschleppen in dieses Gebiet auch Minderjährige aus anderen Gegenden Tschechiens und anderer Länder Mittel- und Osteuropas, vor allem Slovakei, Moldawien, Lithauen und Weißrußland. Sie werden vor allem von Pädophilen aus benachbarten Bundesländern Sachsen und Bayern, in letzter Zeit auch aus Italien und Österreich. Übliche Taxe für sexuelle Dienste mit Minderjährigen liegen 25 Euro, behauptet der Bericht. Für unrealistisch hält die Bewertung des UNICEF der Premierminister Vladimír Spidla. "Es ist wichtig Maßnahmen zu treffen auf Grund von einer realistisch bewerteten Situation und wir halten Kinderprostitution und Kinderpornographie für ein großes Übel und versuchen ihr die angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Die Aussage der UNICEF ist nicht realistisch und entspricht nicht der Situation", sagte er der CTK. Tschechisches Polizeipräsidium führte an, daß es Informationen über eine Grenzprostitution von Kindern nicht besitzt. "Wir haben keine Informationen darüber, daß bei uns Kinder anschaffen. Wir haben auch keine Information darüber, ob die Kinderprostitution auf der Strasse passiert, denn unsere Aktionen richteten sich gegen die Clubs", sagte die Presidiumssprecherin Blanka Kosinová mit Verweis auf die unlängst durchgeführte Kontrollaktion tschechischer Polizisten in erotischen Etablissements. Bei der nächtlichen Aktion mit dem Titel Fantine kontrollierten Mitte Oktober mehr als 4000 Polizisten über 400 Nachtclubs. Polizei verfolgt nun 21 Personen. Dabei brachten die Polizisten laut Innenminister Stanislav Gross nicht in Erfahrung, daß Frauen dort physisch gequält wurden oder daß dort Minderjährige Prostitution stattfindet. Gross verlautbarte damals, daß auf Grund dieser Kontrollaktion die Polizei nun den spekulativen Behauptungen deutscher Medien begegnen kann, die schon früher behaupteten, daß in der Tschechischen Republik bis zu 20.000 Kindern prostituiert werden. Tuesday, October 21, 2003 RESPEKT, 20.-26.10. 2003 Gross schickt Armeen aus
In einer Hinsicht tut man dem Innenminister unrecht: die ganze letzte Woche lachten ihn die Zeitungen
aus, daß er bei der großen und theatralisch angekündigten Razzia in Freudenhäusern
– der s.g. Aktion Fantine – lediglich 21 verdächtige Individuen festgehalten wurden, und zwar solche
mit recht unbedeutenden Gansterqualitäten. Im Vergleich mit 4500 Polizisten und Hunderten
Feuerwehrmännern, die Stanislav Gross und sein Polizeipräsident Jirí Kolár
aussandte zur Kontrolle von 435 Bordellen, erscheint das sicherlich grotesk. Nur ist die Anzahl der
Verhafteten zwar ein effektives, doch grundlegend absurdes Kriterium.
Gross' Fantine war nicht deshalb ein alarmierender Reinfall, weil zu wenig Leute in Untersuchungshaft gelandet sind (für paar Stunden festnehmen kann man immer und jeden, wichtig ist aber was der Mensch begangen hat). Sie war es deshalb, weil sie die staatliche Scheinheiligkeit betreffend der Prostitution bestätigte, grundlegende Schwächen innerhalb der Polizeiarbeit vorführte, Gross´ destruktive Sehnsucht nach medialer Beliebtheit und vor allem: weil sie einem viel zu kleinen Kreis an Menschen geholfen hat. Darum lohnt es sich, hierzu noch mal zurückzukehren. Die Warnung kam rechtzeitig Die Aktion begann in der Nacht vom Freitag auf den Samstag und kurz nach ihrem Beginn veranstalteten Gross und Kolár eine Pressekonferenz. Schon etwas um halb zwölf teilte das Fernsehen mit, daß die Razzia läuft. Da sie bis in den Morgengrauen des Samstags dauerte, kann es sein, daß manche Puffbesitzer dank der Überstürztheit des Innenministers ihren Tipp direkt vom Fernsehbildschirm. Über die Aktion wussten mit Vorsprung Fernsehteams bescheid, selbst der Premierminister sagte, daß das Zusammenrotten der Polizisten nicht zu übersehen war – und ausserdem fand bereits am Freitag eine Razzia in drei Clubs statt. Kurzum: eine mehrfache Vorwarnung. Falls in einigen Bordellen mit Gewalt Frauen festgehalten wurden, schafften es die Zuhälter vermutlich, sie aus dem Weg zu räumen, wie auch andere Gaunereien zu tarnen, zum Beispiel den Mißbrauch von minderjährigen Mädchen. Beim Einsatz fand die Polizei drei Frauen, die angegeben haben, zur Prostitution gezwungen zu werden. Für diese Unglücklichen ist es sicher ein großes Glück, aber die Vorstellung beängstigt einen, wie viele Frauen auf diese Art in Tschechien noch gequält werden, wenn drei davon bei einer so schlampigen Aktion gefunden werden. Genauso ist es mit weiteren "Resultaten". Polizeipräsident Kolár verlautbarte nach dem Einsatz, daß Frauen in Tschechien "nicht den brutalsten Methoden der sexuellen Leibeigenschaft ausgesetzt werden". Was, um Gottes Willen, bedeutet das? Daß Frauen hier mittleren brutalen Methoden ausgesetzt werden? Die Organisation La Strada, die sich auf Hilfe für unfreiwillige Prostituierte spezialisiert, führt an, daß sie Gewalt begegnen von leichtem Schlagen bis zum Fesseln mit Stahlketten, Verbrennungen mit Zigaretten oder Vergewaltigungen. Am häufigsten geht es aber um psychische Folter: Menschenhändler und Zuhälter terrorisieren die Frauen systematisch, erpressen sie, sagen ihnen dass wenn sie sich an den Staat wenden, die Polizei es ihren Folterern erzählen wird. Ein weiteres Problem betrifft die Anzahl der Bordelle. Zum Beispiel in Prag kontrollierte die Polizei sechsundsechzig Etablissements, aber es wird geschätzt, daß es in der Hauptstadt rund zweihundert gibt – am schwersten kontrollierbar und jenseits des Polizeiinteresses sind dabei sogenannte "Priváty", wo ein oder auch fünf Mädchen gekauft werden können. Falls also die Aktion "Fantine" das Milieu des organisierten Verbrechens rund um Prostitution aufschrecken sollte – so ist das nicht gelungen. Falls die Aktion Mädchen in Not helfen sollte – so ist auch das nicht sehr geglückt. Die Frage ist aber, was eigentlich das wirkliche Ziel war. Gross gab nämlich noch während der Pressekonferenz zu, daß er unter Druck der internationalen Kritik handelt und sagte anschließend zu Journalisten: "Das Ziel war es, eine Übersicht über das Milieu zu gewinnen. Wir haben einen neuen Server von der UNO und brauchen Daten, um damit arbeiten zu können." Als primär stand vielleicht im Vordergrund, das lohnende mit dem nützlichen zu verbinden, Fragespalten auszufüllen und auch noch in der Öffentlichkeit zu "flashen". Der Staat schaut weg Stanislav Gross versagt als Innenminister wegen seiner Unfähigkeit konzeptionell zu arbeiten und sich qualitative Untergebenen auszusuchen, wegen seinen Bestrebungen sich vor Wählern zu produzieren und sich in fünfzig Sachen gleichzeitig zu verzetteln. Das Ergebnis ist, daß ihm nichts so richtig gelingt. Die Leute aus dem ÚOOZ (Útvar pro odhalování organizovaného zlocinu / Einheit zur Aufdeckung von organisiertem Verbrechen) haben im Gesamten einen wesentlich größeren Erfolg als die ganze spektakuläre Aktion "Fantine", aber was nützt das alles, wenn es nicht gelingt, die polizeilichen Aktivitäten gezielt zu steuern, wenn ein Teil der Polizei korrumpiert ist und wenn es keinen klaren Plan gibt, wohin der Staat die Prostitution als Ganzes eigentlich hinbringen will. Gross trägt nicht allein die Verantwortung dafür – aber wer sonst soll den Staat dazu zwingen, mit der gegenwärtigen Heuchelei aufzuhören, wenn nicht der Innenminister? In der Tschechischen Republik existiert die Prostitution als Gewerbe nicht, genauso wie offiziell keine Bordelle existieren. Verkäuflicher Sex ist weder gesetzlich, noch ungesetzlich. Vielleicht ist es so, daß ein großer Teil der Frauen sich freiwillig anbietet, aber sie ziehen magnetisch Tausende von Gaunern an, Drogendealer, Menschenhändler, Zuhälter. In Grenzstädten und gottverlassenen Vororten kehren die Kinder von der Schule durch Alleen aus Prostituierten nach Hause, an Schaufenstern mit halbnackten Frauen und Tafeln auf denen steht "Sex schon unter 40 Euro". Der einzige Weg, um das aufzulösen oder unter Kontrolle zu kriegen, ist nach allem die Legalisierung der Freudenhäuser: alles das die strengen Lizenzbedingungen bricht, muß dann sehr streng bestraft werden. Hunderten an Menschen, die Opfer der Prostitution geworden sind, ist es vollkommen gleichgültig, wie sich die politische Karriere von Herrn Gross entwickeln wird – sie brauchen, daß der Staat seine grundlegende Funktion erfüllt: das ist für ihre Sicherheit zu sorgen. (Übersetzt aus dem Tschechischen)
Adam Drda
Autor ist Redakteur der BBC Friday, October 17, 2003 Operation Fantine
Wie einige sicher gelesen oder mitgekriegt haben, fand am 10. Oktober die Polizeioperation "Fantine" statt, bei der 4500 Polizisten und Mitglieder diverser Sonderdezernate (wie z.B. das "UOOZ") Kontrollen und Razzien in über 435 Nachtklubs auf dem Gebiet der Tschechischen Republik durchgeführt haben.
Während das Ministerium die Aktion als einen nachhaltigen Schlag gegen das organisierte Verbrechen wertet, witzelt die Tageszeitung Mlada Fronta DNES (z.B. 14.10.2003, Seite 8), daß es sich lediglich um eine Image-Campagne des Innenministers Stanislav Gross handelt. Schließlich hatte es in der Vergangenheit schon wesentlich erfolgreichere Aktionen dieser Art gegeben, doch noch nie mit einer so pompösen Präsentation, inklusive einer mitternächtlichen Pressekonferenz im Gebäude des Innenministeriums. Die Bilanz der Aktion: zur Zeit wurden knapp 100 Menschen festgenommen, aber daraus ergeben sich konkret nur acht bis sechzehn (ich lese hierzu verschiedenen Angaben) Verhaftungen an Zuhältern und Menschenhändlern. Der Rest wird wohl wieder freigelassen werden oder ist es bereits nach einer Prüfung der Personalien. Witzigerweise wurden vorletzte Woche durch die Prager Polizei Ermittlungen gegen zwei Klubs eingestellt und vier Zuhälter verhaftet (also ohne den Einsatz von tausenden von Polizisten). Eine merkwürdige Zahlenrelation also, die meiner Meinung nach auf die inzwischen hohe Bereitschaft der Zuhälter hinweist, Razzien über sich ergehen zu lassen. Mit anderen Worten: Seek-and-Destroy-Aktionen bei Nacht und Nebel rechnen sich für die Polizei nicht. Bessere Resultate erzielt hier subtile Ermittlung. So haben tschechische Polizisten letztes Jahr im Bereich Cheb/Sokolov/Karlsbad nach dreimonatiger Ermittlung 24 Zuhälter verhaftet und ca. 70 Frauen die gegen ihren Willen arbeiteten rausgeholt. Etwas missglueckt ist dieses Jahr eine Aktion mit massivem Telefonabhör gewesen. Hierbei wurden die Clubs "Atlantis" (Marienbad), "Tango" (Stary Hroznatov), "67" (Vojtanov), "Golden Kids" (Broumov) als Zieladressen ukrainischer Frauenhändler identifiziert. Es wurden 14 Betreiber/Zuhälter verhaftet, doch die Polizei war anschließend ausserstande zu der Aktion die schriftlichen Protokolle dem Gericht zu übergeben - was Raum für allerlei Spekulationen schafft. In einem MF DNES Interview am 14.10. sagte Stanislav Gross auf die Frage, ob die Aktion ein Erfolg war: "So einfach kann man das nicht sehen. Die Aktion hatte diverse Ziele. Zum Beispiel das Zerstören der Anonymität innerhalb dieses Milieus, was gelungen ist. Ein Ziel war auch eine Übersicht von der Szene zu gewinnen. Wir arbeiten nun mit einer neuen Software von der UNO und müssen nun die Datenbanken füllen, um mit ihnen zusammenarbeiten zu können." Sicherlich läßt die Aktion einen Zusammenhang mit den neuen Prostitutionsgesetzen erahnen, die die Stadtverwaltung Prag bei der Regierung diesen Monat einreichte und die einer Legalisierung des Gewerbes mehr oder minder nach dem holländischen Modell anstrebt. Eine Entwicklung, die sich in Tschechien immer deutlicher abzeichnet. Hier bleibt jedoch die Frage offen, wie die Polizei in einer solchen Situation mit den bisherigen Clubs verfährt, die teilweise vollkommen ausserstande sein dürften, die sozialen und gesundheitlichen Auflagen zu erfüllen, die eine solche Legalisierung mit sich brächte. Vermutlich ist dieses Gesetz dann ein Vorstoss, die ausländischen Kräfte (sprich Russen, Ukrainer, Bulgaren, Albaner...) im tschechischen Sex-Business zurückzudrängen. Ob das gelingt sei dahingestellt (offen gesprochen, es erscheint schlichtwegs zu unglaublich angesichts des Zustands der tschechischen Polizei). Die Zeit wird es weisen. Aber definitiv ist ab nächstem Jahr (durch den Beitritt zur EU) mit einer stärkeren Einflussnahme der deutschen und bayerischen Polizei auf die Grenzregion zu rechnen. Monday, October 13, 2003 Grossrazzia gegen illegale Prostitution in Tschechien
Fast 5000 Polizisten und Feuerwehrleute haben in Tschechien bei einer Großrazzia gegen illegale Prostitution mehr als 400 Nachtclubs durchsucht. Dagmar Keberlova bringt jetzt weitere Einzelheiten.
Bei der größten Razzia dieser Art in der Geschichte des Landes wurden 12 Verdächtige wegen Menschenhandels festgenommen, gegen 33 weitere wurde Anzeige erstattet. Insgesamt wurden in der Nacht zu Samstag 4000 Menschen kontrolliert, sagte Innenminister Stanislav Gross am Samstag nach der Aktion. Außerdem seien auch viele Waffen und gefälschte Dokumente gefunden worden. Gross sei mit dem Ergebnis zufrieden und verspreche sich viel von der Fortsetzung der Aktionen: "Aufgrund der Störung der Anonymität dieser Umgebung sollte die Nachfrage sinken. Und das wird mittelfristig die wichtigste Bedeutung dieser Aktion sein, weil dann der wirtschaftliche Hintergrund dieses Teils unserer Gesellschaft zum Teil gebrochen wird." Laut Gross war die "Aktion Fantine" auch wegen deutscher Medienberichte unternommen worden, nach denen Kinderprostitution im tschechischen Rotlichtmilieu weit verbreitet sei. Dafür habe man aber keine Beweise gefunden, sagte er. Nach Angaben von Polizeipräsident Jiri Kolar hat die illegale Prostitution in tschechischen Nachtclubs in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Parallel zu der Razzia in Tschechien seien in der Slowakei drei Männer unter dem Verdacht festgenommen worden, Frauen an böhmische Nachtclubs "verkauft" zu haben, sagte Gross. Scharfe Kritik an der am Wochenende durchgeführten Aktion übt allerdings die Opposition. Jan Vidim von der ODS sagte diesbezüglich: "Ich glaube, dass die Operation verraten wurde, bevor sie begonnen hat, weil wenn es bei der Kontrolle von 4000 Personen und einigen Hunderten von Nachtclubs gelungen ist, nur an die 20 Leute festzunehmen - und darunter sind auch einige Angeklagte, die anderer Straftaten beschuldigt sind als der, die mit den Nachtsclubs zusammenhängt, dann haben wir nicht bewiesen, dass bei uns die Kinderprostitution nicht so massiv ist." Vorsitzende der oppositionellen Bürgerpartei ODS Mirek Topolanek sagte, dass diese ganze Aktion nur die sinkende Popularität des Innenministers verbessern sollte. Quelle: Czech Radio 7, Radio Prague (Tagesecho - Dagmar Keberlová) |
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